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Die Königsklasse – Neue TOP-Designstühle

von Markus Schraml
Ringer, Kettal

Stühle sind essenzielle Möbelstücke, die in allen Lebensbereichen zu finden sind. Wir sitzen in der Küche, im Wohnzimmer, im Büro, im Park, im Theater, an der Bushaltestelle und und und. Im Design gilt die Gestaltung eines Stuhls als Königsklasse. Einerseits gibt es sehr viele davon, was immer wieder die Frage aufkommen lässt, brauchen wir noch mehr Stühle. Die Antwort von Kreativen lautet dann mitunter: „Natürlich! Wir hören ja auch nicht auf, Häuser oder Autos zu bauen, nur weil so viele herumstehen und herumfahren.“ Es gilt also dem Thema Stuhl immer wieder neue Aspekte hinzuzufügen, zu betonen und neue Varianten ins Leben zu rufen. So gesehen ist das Stuhldesign noch lange nicht erledigt, im Gegenteil – wie die aktuellen Neuheiten in dieser Produktkategorie beweisen.

So ist zum Beispiel der Stuhl der neuen Kollektion „Ringer“ vom traditionellen Spiel des Hufeisenwerfens inspiriert. Dafür arbeitete der Designer Michael Anastassiades erstmals mit Kettal zusammen. Die Aufgabe war, einen minimalistischen Café-Dining-Stuhl zu entwerfen. Anastassiades ist Spezialist für die Gestaltung von Leuchten, hat sich aber in diesem Jahr bereits mit dem Design eines Sofas für das dänische Unternehmen Karakter von seinem angestammten Kreativbereich entfernt. Für „Ringer“ nutzte der in London lebende Zypriote Kettals Know-how in der Bearbeitung von Aluminium. Das Ergebnis erscheint sehr leicht und besteht aus wenigen Elementen: rechteckige Sitzfläche, vier Stäbe, ein hufeisenförmiger Abschluss.

Im Finnischen bedeutet das Wort OIVA „etwas Gutes“, etwas Angenehmes und Vertrautes. Genauso heißt auch ein Stuhl von Antti Kotilainen, den der Finne für das italienische Möbelunternehmen Lapalma designt hat. Schlichtheit, Leichtigkeit und Ausgewogenheit standen im Fokus dieses Projekts. Das Design weckt Erinnerungen an bekannte Möbelstücke aus der Vergangenheit, ist in seiner Detailarbeit allerdings absolut zeitgemäß – nahezu perfekt.

OIVA ist ein Stuhl aus Eschenholz, den Antti Kotilainen für Lapalma entworfen hat. © Lapalma

Freischwinger aus Sperrholz

Jasper Morrison ist einer der großen Meister im Stuhl-Design. Er hat für Isokon+ einen Freischwinger aus Formsperrholz entworfen. Glücklicherweise verfügte das Unternehmen über genügend Wissen, um die Sperrholzschichten sehr dünn zu produzieren. Was für diesen Stuhl unabdingbar war. Zu den großen Herausforderungen bei diesem Projekt zählt der britische Designer Proportion, Linie und strukturelle Suffizienz. „Als ich diesen Stuhl entwarf, hatte ich irgendwo das Isokon-Logo im Kopf, etwas von Gerald Summers Stuhl mit seiner einzigen fließenden Sperrholzoberfläche und Rietvelds Zig-Zag-Stuhl. Die Sitz- und Rückenhöhen sowie -winkel beziehen sich aber eher auf den Cork Chair, den ich 2007 für eine Vitra-Edition entworfen habe“, sagt Morrison.

„Iso-Lounge“ von Jasper Morrison für Isokon+. © Isokon+

Die Designs des südafrikanischen Möbelherstellers OKHA zeichnen sich durch eine einmalige Bearbeitung des Holzes und einen oft sehr skulpturalen Charakter der Wohnobjekte aus. Prägnantes Beispiel dafür ist der Stuhl „Rake“, dessen Design einer ununterbrochen fließenden Linie folgt. Sitzfläche, Rückenlehne und Armlehnen verschmelzen zu einem einheitlichen, sehr eleganten und doch bodenständig-handwerklichen Ausdruck.

Skulptural und fließend: Rake von OKHA. © OKHA

Sessel oder Stuhl?

Armchair „Hood“ von Francesc Rifé nimmt explizit Bezug auf die 1950er-Jahre. Der spanische Designer experimentierte dafür mit den einzelnen Teilen eines Sitzobjekts und entwickelte einen ausdrucksstarken Sessel. Oder ist es ein Stuhl? Denn von seiner Höhe und Geradlinigkeit her eignet sich „Hood“ auch perfekt für das Esszimmer. Vor allem wenn man dort länger verweilen möchte. Verwendet wurden unterschiedliche Eichenholzarten, die in rechteckigen und runden Formen kombiniert werden. Während die Holzstruktur Zurückhaltung vermittelt, verspricht die Polsterung von Sitzfläche, Arm- sowie Rückenlehne hohen Komfort. Hersteller: Zanette.

Retro: Armchair „Hood“ von Francesc Rifé nimmt Bezug auf die 1950er-Jahre. © Zanette

La Manufacture ist eine französische Marke, die sowohl Möbel als auch Mode anbietet. Viele bekannte Designer*innen haben bereits für das Unternehmen gearbeitet, jüngst auch Neri&Hu. Das chinesische Architekturbüro hat zwei Kollektionen entworfen: einerseits die Holzkollektion „Intersection“, andererseits die „April“-Collection. Der „April“-Stuhl soll neue Perspektiven und neue Sichtweisen eröffnen. Als personifiziertes Objekt der Liebe kommt der April in einem bekannten modernen chinesischen Gedicht vor, auf das sich die Designer beziehen. Neri&Hu nutzen das Holzbearbeitungs-Know-How von La Manufacture, um die Frische des Monats April in ein Möbel zu übersetzen.

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Bei „Intersection“ haben Neri&Hu wohl an das Leben in einem Kloster gedacht. Der Geist ritueller Möbel wird mit der Kombination einfacher Holzteile eingefangen (die als Struktur dienen), dabei aber gleichzeitig auf klare zeitgenössische Linien geachtet. Ein sehr skulpturaler Stuhl, der in der Produktpalette von La Manufacture eine Ausnahmeerscheinung ist. Die Kollektion beinhaltet auch ein Regal, einen Tisch sowie ein Sideboard.

Nomen es Omen: „Easy Chair“ von Federica Biasi für Manerba ist simpel und klar. Durch seine Zurückhaltung ist er flexibel einsetzbar: Esszimmer, Arbeitszimmer, Kantine, Restaurant, Besprechungsraum u. v. m. Die bequeme Sitzfläche, die gebogene Rückenlehne aus Birkensperrholz können gepolstert werden. Insgesamt ein zeitgemäßer Look, der das Auge erfreut und sich dennoch nicht aufdrängt.

„Easy Chair“ von Federica Biasi für Manerba. © Stefania Zanetti

Dem Dogma entgegen

Für den „Maximus“-Stuhl hat der junge Designer Johan Ansander mit 3D-CAD-Software für eine CNC-Holzfräsmaschine experimentiert. Er wollte dabei herausfinden, wie Material aus der lokalen Umgebung auf zeitgemäße Art verwendet werden kann. Dafür fand er ein kleines Sägewerk außerhalb von Stockholm, wo lokal geschlagenes Holz verarbeitet werden konnte. Ansander wurde bereits kurz nach seinem Masterabschluss an der Konstfack, Hochschule für Kunst, Handwerk und Design (Schweden) von Blå Station beauftragt. Herausgekommen ist ein Möbelstück, das einem Comic entsprungen sein könnte. Es handelt sich um eine bewusste Abkehr von kantigen, rationalen Möbeln. „Maximus“ lässt an die Arbeit von Keith Haring denken. Sowohl die Sitzfläche als auch die Rückenlehne bestehen aus zwei umgedrehten Eschen-Teilen. Der Stuhl ist in klar lackiertem Holz oder in verschiedenen Farben erhältlich.

Der Oxford-Stuhl wurde von Arne Jacobsen ursprünglich für das Lehrpersonal am St. Catherine’s College in Oxford (England) entworfen und ist nun in einer neuen Ausgabe zurück. Der bequeme Bürostuhl von Fritz Hansen funktioniert aber nicht nur im Büro oder Homeoffice, sondern auch im privaten Esszimmer oder in öffentlichen Räumen. Der Hersteller nutzt moderne Technologie für eine harmonische und zeitgemäße Fusion von Komfort und Handwerkskunst. Das minimalistische Design des Stuhls wurde leicht überarbeitet und ist mit niedriger oder hoher Rückenlehne sowie zusätzlicher Unterstützung im Lendenwirbelbereich verfügbar.

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Italienischer Klassiker neu bezogen

Luigi Caccia Dominionis „Catilina“-Stuhl wurde erstmals bei der XI Triennale in Mailand (1957) präsentiert. Mit der Zeit hat er sich zu einem Klassiker entwickelt, den der Architekt auch in seinem Studio für Gäste verwendete. 2021 arbeiten zwei traditionelle Mailänder Unternehmen Serapian und Azucena zusammen, um den „Catilina“ mit maßgeschneiderten „Mosaico“-Sitzpolstern neu auszustatten. Azuzena wurde 1947 von Dominioni und den Architekten Ignazio Gardella sowie Corrado Corradi Dell’Acqua gegründet, um Möbel, die sie für ihre Bauwerke entworfen hatten, entsprechend zu vermarkten. Nun interpretierten die ausgezeichneten Kunsthandwerker aus dem „Bespoke Atelier“ von Serapian die Kissen neu – und zwar unter Verwendung der Mosaico-Handwerkstechnik, die noch genauso durchgeführt wird, wie sie Stefano Serapian in den späten 1940er-Jahren entwickelt hat.

Serapian und Azucena arbeiteten zusammen, um den klassischen „Catilina“-Stuhl mit maßgeschneiderten „Mosaico“-Sitzpolstern auszustatten. © Azucena

Mit der jüngsten Kreation von Ramón Esteve begibt sich Vondom in die Kultur des Fernen Ostens. Der Stuhl ist von den Formen des Kimonos (so auch der Name des Stuhls) inspiriert. Dabei wird die lange Tradition dieses japanischen Kleidungsstücks in den Bereich des Futuristischen gerückt. Durch die Verwendung von Polycarbonat kommt die kantige, leicht aggressive Struktur des Designs besonders gut zur Geltung.

Ramón Esteve begibt sich mit seiner jüngsten Kreation „Kimono“ in die Kultur des Fernen Ostens. © Vondom

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