Home Design Chinas Kreativpotenzial wächst – Design Shanghai 2023

Chinas Kreativpotenzial wächst – Design Shanghai 2023

von Markus Schraml
Jian Ze, Design Shanghai

Asiens größter internationaler Design-Event, die Design Shanghai feierte in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Insgesamt konnten an den vier Ausstellungstagen 77.254 Besucher gezählt werden. Diese trafen auf mehr als 600 einheimische und internationale Marken aus 40 Ländern und Regionen. Für das Jahr 2023 wurde die Messe um ca. 50 % erweitert und zeigte sowohl östliche als auch westliche Designentwicklungen. Dabei konnte in den drei bespielten Hallen durchaus ein Vergleich gezogen und sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten ausgemacht werden. Die Messe wurde von Interessierten aus 33 Ländern besucht: Malaysia, Niederlande, Russland, Singapur, Thailand, Großbritannien, USA, Vietnam, Spanien, Australien, Kanada, Dänemark, Finnland, Hongkong, Taiwan und Macao.

Die Design Shanghai fand im Shanghai World Expo Exhibition and Convention Center in Pudong statt. © Design Shanghai

Europäer in Shanghai

Die „Furniture & Lighting Design Hall“ zeigte neueste Kollektionen unter anderem aus Europa. Für westliche Marken ist der chinesische Markt enorm verführerisch. Gleichzeitig verschafft die Messe chinesischen Besuchern einen Einblick in Designideen und Herstellungsqualitäten außerhalb ihres Landes. Aus Italien präsentierte beispielsweise Paola Lenti ihr zeitgenössisches Möbelsortiment, Capellini zeigte eine Hommage to Mondrian von Shiro Kuramata, die dem Pionier des abstrakten Expressionismus, Piet Mondrian gewidmet war. Arcebis stellte Due Più, entworfen von Nanda Vigo vor, Flos veröffentlichte vier neue Kollektionen von Marcel Wanders: My Circuit, Taccia White, 2097-75 / Matte White und Skynet Suspension und französische Handwerkskunst sowie französisches Flair war an den Ständen von Lalique, Disderot, La Boite und Ligne Roset zu erleben. Der britische Industriedesigner Michael Young lancierte seine eigene Möbelkollektion, Lladró zeigte seine künstlerischen Porzellankreationen, während HAY, &Tradition, Verpan und Frandsen (über Nine United) dänischen Lifestyle präsentierten.

Chinesische High-End-Marken

In derselben Halle war aber auch lokales chinesisches Design zu sehen. Am U+ -Stand, einer modernen Möbelmarke, die östliche und westliche Designphilosophien vereint, bildeten sich Schlangen, die auf das Debüt des Shijin-Stuhls gespannt waren. Stella Works feierte das China-Debüt des „Utility Lounge Chair Two Seater“, während Ziinlife und EXCEPTION de MIXMIND, beide in der lokalen Kultur verwurzelt, neue Designmöglichkeiten erkundeten. KUNDESIGN, eine Outdoormarke, präsentierte ihre String-Serie, XUE, gegründet von Xue Shuping – mit der Mission, „ein modernes Zuhause mit einem Sinn für chinesische kulturelle Identität zu schaffen“ – stellte das „Idle Stop Bed“ vor. CHEN DARUI war mit dem China Chair vertreten und VINEKO präsentierte sechs Outdoor-Möbelkollektionen. Die FRANK CHOU COLLECTION präsentierte in Zusammenarbeit mit LIVINTWIST erstmals den Stand-Couchtisch, die Page-Tischlampe und die Sketch-Serie. JINLE ZHU wiederum zeigte mit „Magic East: The Path of the Unknown“ eine neue Werkreihe. Benwu Edition stellte dieses Jahr eine Reihe verspielter moderner Produkte mit geschwungenen Linien und leuchtenden Farben aus – darunter die Triplet-Garderobe. Die High-End-Beleuchtungsmarke Singchan Design zeigte eine Vorschau ihrer neuen Fragment-Serie.

Interieur & Lifestyle

In der Halle für Küchen & Baddesign waren Marken wie Villeroy & Boch, AXOR oder Eggersman zu sehen. Letzterer deutscher Küchenhersteller war mit einem Design von Yabu Pushelberg nach Shanghai gekommen. Aus Anlass des 10-jährigen Jubiläums hatte Design Shanghai auch eine brandneue Halle ins Leben gerufen. Die Living & Lifestyle Hall war Innenräumen und Accessoires gewidmet, in der internationale Anbieter von Accessoires, Textilien, Stoffen, Heimtextilien, Wandbelägen, Bodenbelägen, Tischgeschirr, Innen- und Außenaccessoires präsentiert wurden.

Chinas Design-Community wächst

Die diesjährigen „Features“ würdigten die besten Designer in der sich stark entwickelnden Design-Community Chinas. Die Design Shanghai 2023 sammelte über 1000 neue Produkte von allen Ausstellern und wählte daraus 50 Stücke aus, um eine Galerie zur Einführung neuer Produkte in Halle 1 mit den besten neuen Produkten zu erstellen. Die von Frank Chou kuratierten TALENTS kehrten mit 22 Gruppen junger Designer zurück, die in Form vor runder Tische das Thema „Chinese Relations“ bespielten. Das Ganze fungierte auch als Plattform für junge chinesische Kreative, um mit der Welt, mit Marken, potenziellen Sponsoren und anderen Designern in Kontakt zu treten.

Chen Min, der chinesische Industriedesigner und Gründer des Chen Min Office und Kurator von neooold, lud den Architekten Chen Hao Ru ein, einen Ausstellungsraum mit dem Thema „Crouching Tiger, Hidden Dragon in the Forest“ zu schaffen. Die Róng Weaving Design Exhibition zeigte die Arbeiten von 28 Designern, die in den letzten zwei Jahren an Stücken gearbeitet haben, die das traditionelle Weben in die Zukunft führen sollen. „Disappearing Borders“, präsentiert vom Industriedesigner Jamy Yang, untersuchte die Beziehung zwischen Menschen, Objekten und Natur im digitalen Zeitalter.

Die Kunstinstallation INTERLUDE von Chi Wing Lo war eine Brücke, die Menschen und ihre Ideen verband. Bestehend aus einer Reihe von Leinwänden, die sich schlängelten, falteten und einen halb-exklusiven Raum definierten, bot das musikalische und räumliche Zwischenspiel den Besuchern einen Moment / Ort der Distanzierung und Besinnung. Als neuer Bereich der Design Shanghai 2023 versammelte die von der Designplattform Design Burger kuratierte Design Street die kreativsten Industriedesigner aus dem In- und Ausland.

Talks und Vorträge

Das Kohler Exquisite x Design Shanghai Design Forum zeigte an vier Tagen und auf vier Bühnen das bisher stärkste Lineup mit fast 230 Rednern aus der ganzen Welt, die neue Ideen darüber austauschten, wie der Mensch auf authentischere Weise mit der Natur umgehen kann. Der Jahresleitspruch lautete „Jenseits der Nachhaltigkeit liegt Re-Creative Design – Design für das Wohlbefinden“.

Ross Lovegrove spricht auf Kohler Exquisite x Design Shanghai Design Forum. © Design Shanghai

China Design im Aufstieg

Aus europäischer Sicht geht es bei der Design Shanghai um den Zugang zum großen chinesischen Markt. Die Veranstaltung zeigte aber vor allem auch, dass der Weg zu mehr Eigenständigkeit chinesischer Designer und Marken zügig weiter beschritten wird. Für sie hat der Event die Funktion einer Bühne für China und die Welt. In der letzten Dekade gab es einen enormen Zuwachs an qualitativ hochwertig arbeitenden jungen Designern. Einige von ihnen wurden zu Fixsternen des zeitgenössischen Designs in China. Namen wie Frank Chou, Jamy Yang oder Stellar Works sind auch jenseits der chinesischen Grenzen bekannt. Längst ist China nicht mehr nur die Werkbank der Welt, sondern bringt eine Vielzahl junger Kreativer hervor, die – oftmals an Hochschulen im Westen ausgebildet – einen unbedingt eigenen gestalterischen Weg gehen wollen. Dabei greifen sie sowohl auf die chinesische Tradition als auch auf Erfahrungen, die sie im Westen gemacht haben, zurück. Ihr Ziel ist zunächst nicht der westliche Markt, sondern der einheimische. Dieser hat genügend ökonomisches Potenzial für den Designnachwuchs – wohl auch noch die kommenden zehn Jahre.


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