Home Design Dekorative Leuchten zwischen Design und Kunst

Dekorative Leuchten zwischen Design und Kunst

von Markus Schraml
Axolight, Manifesto

Die Welt der Leuchten hält derzeit einige enorm spannende Projekte und Neuheiten bereit. Immer öfter wird dabei die Grenze zur Kunst überschritten. Es entstehen gewagte Objekte, die trotzdem noch oder gerade deswegen dekorativ sind. Der Großteil der hier vorgestellten Leuchten kommt aus Italien. Das Zusammenspiel von Handwerk, industrieller Innovation und hochwertigem Design trägt besonders im Leuchtenbereich wunderbare Früchte. Dies geschrieben, beginnt der Rundgang gerade nicht in Italien, sondern in Spanien, wo die diesjährige Welthauptstadt des Designs Valencia viele auch künstlerische Projekte zu bieten hat.

LZF bereichert World Capitel Design Valencia

Den künstlerischen Charakter mancher Leuchtenkreationen bekräftigt eine Ausstellung im Museum der Schönen Künste von Valencia. Dort wird noch bis 9. Oktober die Life-Size-Kollektion und der Candelabro von LZF gezeigt. Die lebensgroßen Figuren bevölkern das Foyer des Museums. Sie sind Ausdruck der idealen Verbindung von Licht und Holz – konkret der klassischen Holzschnitttechnik der valencianischen Fallas-Handwerker. Seit der Einführung von Koi im Jahr 2015, einem riesigen leuchtenden Fisch mit einer Länge von über 3,5 Metern, ist die Kollektion um mehrere neue Modelle gewachsen. Ein Paradebeispiel für den Umgang von LZF mit Naturholzfurnieren ist der Candelabro. Mariví Calvo hat dafür sechs LZF-Lampen kombiniert und einige Keramikvögel mit Goldglasur hinzugefügt. Das Ergebnis ist eine Skulptur, in der avantgardistische Gewagtheit und die Liebe für verspielte Formen verschmelzen.

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Von Kometen und Widersprüchen – 90 Jahre FontanaArte

Vor 90 Jahren gründete Gio Ponti die Leuchtenmarke FontanaArte. Zu diesem Jubiläum dürfen einige bemerkenswerte neue Kollektionen natürlich nicht fehlen. So hat Jacopo Roda OORT entworfen. In Anlehnung an die Oortsche Wolke, eine theoretische Ansammlung von Milliarden von astronomischen Objekten außerhalb unseres Sonnensystems, bietet dieses Beleuchtungssystem potenziell unendliche Möglichkeiten der Gestaltung. Roda arbeitet seit 2006 für FontanaArte und hat mit OORT eine Art Lichtlinie entworfen, die in einem innen gerippten Glaszylinder sitzt. Die flexiblen LED-Silikonröhren können sich jeglichem Bedarf anpassen und individualisiert werden.

Die Kronleuchter-Installation Tutti, die Matilde Cassani für FontanaArte gestaltet hat, besteht aus einer Reihe von hängenden Silhouetten, die eine Welt der Widersprüche und Kontraste symbolisieren. Der Künstlerin und Designerin geht es dabei um das Aufzeigen von Gegensätzen, die allerdings Bestandteile eines gemeinsamen sozialen Kerns sind. „Ich beobachte Menschen, die sich in einem bestimmten Moment, wenn auch zufällig, denselben Raum, dieselbe U-Bahn, denselben Bahnhof teilen. Sie alle repräsentieren die Vielfalt der Menschen: religiöse Orientierungen, sportliche Leidenschaften, kulturelle und geschlechtsspezifische Neigungen. Es ist eine Arche, die alles enthält, was der Mensch in diesem Moment in die Zukunft trägt … Ein Kronleuchter der Widersprüche”, beschreibt Cassani ihre Intention.

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Das Auge isst mit

In der Gastronomie ist Licht ein entscheidendes Element. Es entscheidet über die Atmosphäre des Raums, beeinflusst die Farben der Speisen und kann für die Gäste sogar die Aromen verstärken. Aus diesem Grund begibt sich Slamp mit dem Projekt „Mise en Light“ auf eine Reise zu exklusiven Restaurants, um damit den Beweis anzutreten, dass richtige Beleuchtungslösungen für den Gastronomie- und Hotelbereich unabdingbar sind. Das erste Ziel ist Angie’s Restaurant unweit der berühmten Spanischen Treppe in Rom. Der mit Fresken verzierte Saal im Erdgeschoß des Palazzo Mignanelli Gabrielli ist mit Möbeln aus blauem Samt, Marmorböden und hinterleuchteten Spiegeln ausgestattet. Es zeigt sich, wie gut die innovativen Leuchtenkreationen von Slamp in dieses historische Ambiente passen. Vor allem die von Marc Sadler entworfene Tischleuchte Accordéon white. Sie wurde speziell für den Einsatz in der hochklassigen Gastronomie entwickelt. Als weitere Mis en Light-Stationen sind das Grand Hotel Victoria am Comer See, das Smoke and Mirrors in Dubai, das Hotel Excelsior in Venedig sowie das L‘Or Bleu an der Côte d‘Azur geplant.

Elegante Leuchte „Accordéon white“ von Marc Sadler im eleganten Ambiente von Angie’s Restaurant in Rom, der ersten Station des Slamp-Projekts „Mis en Light“. © Slamp

Weitere Neuheiten im Bereich Tischleuchten sind Mayfair Mini von Vibia, ein tragbarer Begleiter, dessen Batterie 24 Stunden lang hält. Entworfen von Diego Fortunato kann sie ohne Anstrengung immer dort platziert werden, wo man sie gerade braucht. Warli bringt die Re-Edition von „La lune sous le chapeau“ von Man Ray auf den Markt. Der vielseitige Künstler zeichnete im Juni 1974 in Paris eine einfache Skizze eines Lampenschirms sowie einige Basis-Skizzen auf einen Karton, ein paar Tage später war der „Mond unter dem Hut“ geboren. So einfach die Form, die Technik und die Materialien sind, so stark ist der poetische Gehalt dieser Leuchte.

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Charakterstärke beweist auch die Ale-Serie von Catellani & Smith. Die Tischleuchten-Variante Ale BE T ist kabellos und batteriebetrieben. Ein kleiner Zylinder verbindet die kreisförmige Basis mit zwei schlanken Elementen, die eine „V“-Form bilden. Diese tragen die Kuppel, die um eine Achse gedreht werden kann, um das von einer 1,5 W (220 lm) LED erzeugte Licht zu lenken. Ein verspieltes Detail befindet sich auf der Halbkugel – eine Fliege verbirgt die Schraube, mit der der Schirm am Sockel fixiert ist. Verspielt könnte man auch die neue Mito gioia lettura von Occhio nennen, aber in einem ganz anderen Sinn. Denn dort verführt die absolut perfekte Mechanik sowie die Gestensteuerung zum Spielen. Designer und CEO Axel Meise hat eine kinetische Designskulptur geschaffen, die sowohl als Raum- als auch Leselicht funktioniert. Während die gewohnt hochwertige Technik diese Stehleuchte zu einem kraftvollen Lichtwerkzeug macht, tanzt der typisch ringförmige Kopf geradezu auf dem Körper. Auch der Leuchtenarm kann in jede Richtung frei bewegt werden und ist in seiner Höhe – spielerisch – veränderbar.

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Wunderbare Studienergebnisse

Der italienische Spezialist für dekorative Beleuchtung, Foscarini wagt sich mit dem Projekt Battiti weit in den Bereich der Kunst vor. Im Grunde ist es ein reines Forschungsprojekt, an dem der Designer Andrea Anastasio und Davide Servadale von Ceramica Gatti 1928 beteiligt waren. Es geht um den Dialog zwischen Licht und Keramik, um neue Ausdrucksweisen, neue Bedeutungsansätze. „Battiti begann mit Reflexionen über die uralte Beziehung zwischen Licht und Keramik – eine Reise, die von Öllampen bis hin zu religiösen Schreinen reicht und die Form des Sehens in ihren vielen Erscheinungsformen begleitet. Dann machte ich eine weitere Beobachtung und begann, Keramikplatten aus den Abgüssen des Gatti-Archivs in Faenza zu sezieren und sie systematisch zu zerlegen. Licht in diese Werkserie zu bringen, war ein langsamer Prozess. Er folgte einer unmittelbaren Intuition, wie es oft der Fall ist, wenn wir die Wirkung einer Vision vermitteln wollen, die uns erfasst hat, sich uns aber gleichzeitig entzieht, weil sie noch nicht greifbar ist“, versucht Andrea Anastasio zu erklären. Der Designer verwendet das Licht auch als ein Werkzeug des Dialogs mit den Betrachtern. Die Lichtöffnungen, die aktiven Elemente in den Flachreliefs und Skulpturen aus Keramik sollen den Beginn einer neuen Beziehung zwischen Objekt und Betrachter markieren.

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Raum-Licht-Gestaltung von Foster & Partners und Michele De Lucchi

In der Palette der Neuheiten und Erweiterungen von Artemide sticht die Zusammenarbeit mit Foster & Partners hervor. Das britische Architekturbüro hat die Leuchtenfamilie Ixa entworfen. Das Design ist von den dynamischen Skulpturen von Alexander Calder inspiriert und folgt der Idee der „eleganten Balance“. Ein sich frei um 360° drehender Kugelkopf trennt Stromzufuhr und Mechanik und ist mit der Struktur durch einen Magnetanschluss verbunden.

Drei verzweigte Arme münden in sechs Leuchtköpfe, das ist Osidio von Michele De Lucchi: „Als ich die Schönheit der Lichtlinien während der Entwicklung des Prototyps sah, war ich überzeugt, dass ein traditioneller konischer Diffusor nicht erforderlich war. Also befreite ich das Projekt von allen überflüssigen Strukturen, und es blieb ein zarter, leichter Kronleuchter, der an den Blütenstand eines Baumes erinnert“, so De Lucchi über seinen jüngsten Entwurf für Artemide.

Gemeinsam mit Mario Cucinella kreierte Artemide das Beleuchtungssystem Katà Métron, das Kunst, Architektur und Philosophie vereinen soll. Seine Module können linear, im rechten oder im 45°-Winkel und jetzt auch durch T- oder Kreuzverbinder kombiniert werden. Dabei lassen sich die einzelnen Bausteine wie beim Lego spielerisch zu individuellen Strukturen anordnen.

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Wand- und Deckenskulpturen

Timo Ripatti hat für Axolight Manifesto kreiert. „Alle Elemente, aus denen sich Manifesto zusammensetzt, sind gemäß den Proportionen des Goldenen Schnitts miteinander verbunden“, erklärt Ripatti. „Wenn das Licht ausgeschaltet ist, erscheint die Lampe wie ein Flachrelief, das aus der Wand herausragt. Wenn das Licht an ist, ist die emotionale Wirkung absolut überwältigend. Das Licht umgibt den Lampenkörper mit einem Hintergrundhalo, der den Kontrast zwischen den verschiedenen Formen hervorhebt.“ Leda von Karman ist eine Kollektion modularer und verstellbarer Beleuchtungskörper. Es ist eine Lichtkette, die Räume schmückt. Das Designstudio debonademeo ließ sich offensichtlich vom Mythos der Leda und dem Schwan inspirieren. Die Kurven der Leda-Leuchtenkollektion sollen an einen Schwanenhals erinnern. Mit den Lichterketten lassen sich variable Geometrien bilden – von simpel bis komplex.

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Licht im Freien

Die Oi Candles von Oiside bringen stimmungsvolles Licht in den Außenbereich. Sie können unterschiedliche LED-Lichtquellen beherbergen und über einen USB-Anschluss aufgeladen werden. Je nach Intensität leuchten sie zwischen 11 und 65 Stunden. Rocchetto Tree ist ein Leuchtensystem von Quick Lighting, das mitten in der Natur angebracht wird. Konkret kann es an Baumstämmen befestigt werden. Die Leuchte ist mit einer mit Harz behandelten Ringmutter ausgestattet, die den LED-Motor vor Wasserstauung schützt. Damit soll ein stets sauberes Erscheinungsbild gewährleistet werden, selbst wenn das Produkt nach oben gerichtet direkt den Witterungsbedingungen ausgesetzt ist.

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