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Der besondere Mix – blickfang Wien 2021

von Markus Schraml
blickfang Wien 2021, planbureau

Vom 15. – 17. Oktober findet die blickfang Wien statt. Bereits zum 18. Mal können sich Freund*innen des guten Designs über Neuheiten von etablierten und vor allem jungen Designer*innen aus den Bereichen Möbel, Mode und Schmuck informieren und inspirieren lassen. Die blickfang bietet zudem die Gelegenheit, Produkte auch zu kaufen, die sonst in Wien nicht so leicht oder überhaupt nicht zu bekommen sind.

Die letzten Monate waren auch für das Format blickfang nicht leicht, die Organisator*innen haben allerdings die Zeit genutzt und der Designmesse eine „Rundumerneuerung“ verpasst: Neuer Markenauftritt und neue Akzente vor Ort heißen die blickfang-Fans im Wiener MAK willkommen. Verantwortlich dafür ist das Hamburger Designstudio Besau-Marguerre. Marcel Besau und Eva Marguerre sind der blickfang schon seit ihrer Studienzeit verbunden, waren Kurator*innen der Messe und haben nun die Marke erneuert.

„Wir kennen Eva und Marcel seit Jahren. Tatsächlich hatte Eva ihren von der Fachwelt viel gelobten Hocker Nido das erste Mal auf der blickfang Wien vor 13 Jahren präsentiert“, erinnert sich Projektleiterin Tina Haslinger. Daher sei die Zusammenarbeit sehr vertrauensvoll gewesen, weil das Duo genau wusste, wohin die blickfang-Entwicklung gehen soll. „Sie haben nicht nur die Messe vor Ort aufgefrischt, sondern auch das komplette Corporate Design: Angefangen von einem neuen Logo, neuer Hausschrift, neuen Farben, einem neuen Layout für unseren Katalog vor Ort etc“, erzählt Haslinger.

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Das Besondere an der blickfang ist eine inspirierende Atmosphäre, in der Designinteressierte in einem doch überschaubaren Rahmen mit Designer*innen direkt ins Gespräch kommen können. So erfahren sie von den Kreativen selbst Hintergründe und Details über die Produkte. In Wien spielt der Neuheiten-Fakter immer eine wichtige Rolle. So waren rund die Hälfte der diesmal 150 Aussteller*innen noch nie auf der blickfang Wien vertreten. Tina Haslinger fällt es nicht leicht, einzelne Highlights herauszupicken: „Ich privat liebe unsere Modedesigner*innen – besonders in diesem Jahr. Als Projektleiterin freue ich mich, dass wir jedes Jahr neue spannende Möbel und Interiordesigner*innen präsentieren dürfen. Das zeigt sich auch bei der Designpreis-Jury, die jeden Freitag zwei hoch dotierte Designpreise vergibt. Bei den Modedesigner*innen war sich die Jury in den letzten Jahren immer sehr schnell einig. Rege und angeregte Diskussionen gab es hingegen regelmäßig beim Preis für Möbel und Interior, denn da war die Konkurrenz einfach sehr stark.“

Highlights der blickfang Wien

Auch wenn Haslinger keine Namen herausstreichen will, sind einige Labels bzw. Designer*innen doch eine Erwähnung wert. Etwa Laik Design, die einen Tisch mit hohem Wiedererkennungswert gestaltet haben, der sich durch seine patentierte Lamellenstruktur schnell ausziehen lässt. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Holz zu bearbeiten und zu gestalten, entwickelten die beiden Schreinermeister und Firmengründer Tobias Jung und Denis Dostmann ihr Patent. Im Fokus ihrer Bemühungen stand dabei von Anfang an das Credo: Flexibel leben.

side by side steht für Design aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Sabine Meyer startete das Designprojekt im Jahr 2002 – gemeinsam mit den Caritas Wendelstein Werkstätten, der Designagentur factor product münchen und einer ganzen Reihe von freien Designer*innen. Das Ziel: Alltagsgegenstände mit zeitgemäßem Design für den gehobenen Fachhandel produzieren. side by side ist keine eigene Firma, sondern eine Abteilung innerhalb der Werkstatt. Unter dem Designlabel werden die Produkte vertrieben, die in den Wendelstein Werkstätten und zehn anderen Partner-Werkstätten hergestellt werden.

Komplexe Formen aus Sperrholz herstellen, dieser Aufgabe widmet sich Melinda Perenyi (planbureau) aus Budapest. Ihr Tile Chair überzeugt durch hervorragende Ästhetik und Ergonomie, die dadurch erreicht wird, das doppelt gekrümmte Schalen hergestellt werden, indem die Designerin glatte, nicht gekrümmte Segmente miteinander verbindet. Das ergibt einen leichten Stuhl mit papierartigem Charakter. Der Wiener Designer Clemens Schmidberger entwirft und vertreibt innovative Designprodukte wie Küchen- und Wohnaccessoires aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Die erfrischende Zartheit seiner Designs macht in jedem Interieur gute Figur.

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Nachhaltig und haltbar – neue Mode

Im Bereich Mode begeistert das Label Fabian Schmidt Clothing seit 2016. Es steht für minimalistische und doch ausdrucksstarke Unisex-Mode. Alle Stücke sind handgefertigt und werden in Deutschland hergestellt. Stoffe, Knöpfe oder Leder werden ebenfalls aus Deutschland oder dem europäischen Umland bezogen. Das junge Wiener Modelabel Daryn Chook entwickelt smarte, urbane und nachhaltige Herrenmode. Hemden und Hosen werden so gestaltet, dass sie möglichst viel Bewegungsfreiheit zulassen, stark beanspruchte Bereiche werden verstärkt. Dennoch haben diese Stücke nichts von Funktionskleidung. Der Anspruch des Labels ist es, Kleidung herzustellen, nicht Fashion. Dementsprechend soll sie viele Jahre lang getragen werden. Nicht nur das Konzept, sondern auch die japanisch anmutende Standgestaltung vor Ort haben 2020 die Designpreis-Jury der blickfang überzeugt und das Label gewann den Designpreis in der Rubrik Mode.

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Das Geheimnis des Erfolges

„Die blickfang zeigt einfach das richtige Gespür für gutes Design und auch für Trends“, ist Tina Haslinger überzeugt. „Wir zeigen, was in den nächsten Jahren in den Fokus rücken wird, ohne kurzlebigen Trends nachzuhecheln.“ Vor 30 Jahren, als Dieter Hofmann die blickfang gegründet hat, war das Konzept „Möbel, Mode und Schmuck“ gemeinsam zu präsentieren, völlig neu. Mit den Jahren rückte das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus. „Wir haben mal überlegt, Aussteller*innen besonders hervorzuheben, deren Produkte nachhaltig sind. Bis wir gemerkt haben – das trifft doch auf alle zu“, sagt Projektleiterin Haslinger. Sie meint damit, Modedesigner*innen, die genau wissen, woher ihre Stoffe kommen und wer sie wo näht. Oder Möbeldesigner*innen, die darauf Wert legen, woher sie ihr Holz beziehen und Wege suchen, um Naturmaterialien sinnvoll und nachhaltig einzusetzen. Das Geheimnis des Erfolges der blickfang liegt in der richtigen Mischung nicht nur unterschiedlicher Produktkategorien, sondern auch von bekannten Designer*innen oder sogar Publikumslieblingen und reinen Newcomern.

Blickfang Wien: 15. – 17. Oktober im Museum für angewandte Kunst (MAK) am Wiener Stubenring.


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