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Design, Kunst, Kultur – Ausstellungen 2019

von Markus Schraml
NATURE, Michele De Lucchi, L’anello mancante

Während ganz Deutschland 2019 auch ausstellungsmäßig vom Bauhaus-Fieber erfasst scheint, wirft das Museum für Angewandte Kunst in Wien seit 19. Dezember einen Blick auf die eigene Gestaltungsgeschichte und widmet einem wichtigen Wegbereiter der Wiener Moderne, Koloman Moser eine umfassende Personale. Zum 100. Todesjahr (1918) des enorm vielseitigen Künstlers und Gründungsmitglieds der Wiener Secession wird sein Œuvre in fünf Kapiteln veranschaulicht und im Kontext der Zeit erklärt. Bekannt ist Mosers Quadratdekor, ein reduzierter, geometrischer Stil, der zu seinem Markenzeichen wurde. 1903 gründete er gemeinsam mit Josef Hoffmann und Mäzen Fritz Waerndorfer die Wiener Werkstätte, die eine besondere Fülle an Möbeln, Lederarbeiten, Schmuck, Innenraumgestaltungen und vieles mehr hervorbrachte. (KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann. MAK Wien, bis 22. April 2019)

Die Frühlingsausstellung im Le Stanze del Vetro in Venedig widmet sich Maurice Marinot. Die von Jean-Luc Olivié und Cristina Beltrami kuratierte Schau zeigt über 200 Glasarbeiten des französischen Künstlers, der aufgrund seiner Experimentierlaune mit Formen und Techniken als Wegbereiter des zeitgenössischen Glashandwerks gilt. (Maurice Marinot. The Glass, 1911-1934, Le Stanze del Vetro, Venedig. 25. März – 28. Juli 2019)

Opernfans sollten einen Besuch im Museum der Mailänder Scala ins Auge fassen. Dort werden 240 Jahre Geschichte des berühmten Opernhauses nachgezeichnet. Das Ausstellungsdesign stammt von Italo Lupi, Ico Migliore sowie Mara Servetto und erzählt das große Ganze in Form von Mini-Geschichten rund um La Scala. Im Zentrum der von Fulvio Irace und Pierluigi Panza kuratieren Ausstellung steht ein Holzmodell von Ivan Kunz, das einen Teil des Hauses im Maßstab von 1:75 abbildet und den Besuchern die Möglichkeit bietet, die Struktur aus verschiedenen Perspektiven zu erleben und damit auch die Transformationen des Gebäudes von Piermarini bis hin zu Mario Botta nachvollziehen zu können. (La Magnifica Fabbrica. 240 Years of Teatro alla Scala, from Piermarini to Botta. Museo Teatrale alla Scala – bis 30. April 2019)

Natur, Architektur und Künstliche Intelligenz in Rom

Wir bleiben in Italien. Das MAXXI Museum in Rom hat Michele De Lucchi eingeladen, die sechste Ausgabe des Ausstellungszyklus NATURE zu gestalten. In dieser Serie geht es um Installationen, mit denen sich die eingeladenen Architekten und Designer selbst darstellen und ihre bisherige Arbeit zusammenfassend verdeutlichen können. De Lucchi hat dafür die Installation „L´anello mancante“ (The Missing Link) geschaffen, eine Art Skulptur, die zwischen Objekt und Raum angesiedelt ist und die eine Referenz zu seiner Vorstellungswelt und architektonischen Arbeit darstellt. BesucherInnen können in der ringförmigen Konstruktion umherwandeln. Die Röhren-Struktur ist mit 800 Schindeln HI-MACS® Alpine White (einem flexiblen Verbundmaterial) verschalt. Die NATURE-Serie des Museums thematisiert das Verhältnis von Natur und Urbanität und gibt dem jeweiligen Architekten Raum seine jüngsten Erkenntnisse künstlerisch darzustellen. (MAXXI Museum, Gian Ferrari Gallery – noch bis zum 3. März 2019)

In der Kunstabteilung des MAXXI Museum bietet sich die Gelegenheit für einen Besuch der Ausstellung „Low Form. Imaginaries and Visions in the Age of Artificial Intelligence“. Die noch bis zum 24. Februar laufende Schau erkundet die technologischen und oftmals surrealen Vorstellungen zeitgenössischer Künstler im Hinblick auf Einflüsse wie computergenerierte Träume, kreative Algorithmen oder Avatare, die den Sinn des Lebens infrage stellen. (LOW FORM, MAXXI Museum Rom)

Im Amsterdamer Foam Museum läuft derzeit die Ausstellung „Feast for the Eyes“, die sich mit Geschichte, Strömungen und Vertretern der Food Photography beschäftigt. Die Ausstellungsmacher spannen einen weiten Bogen von scheinbaren Banalitäten wie den Frühstücks- und Dinnerfotos von Stephen Shore über die allegorischen Stillleben Laura Letinskys bis zu Roger Fentons Essenskompositionen des 19. Jahrhunderts oder Kochbüchern der 1960er Jahre. Die Allgegenwart von Essen macht es auch zu einem Hauptmotiv in den Social Media-Kanälen. (Feast for the Eyes, Foam Fotografiemuseum Amsterdam, zu sehen noch bis zum 3. März 2019)

V&A im Zeichen der Mode

Ab 18. Mai widmet sich auch das V&A Museum in London dem Thema Essen. Ansonsten steht das Frühjahr aber im Zeichen der Mode. Am 2. Februar startet „Christian Dior: Designer of Dreams“. Diese größte je in Großbritannien gezeigt Dior-Retrospektive folgt den Spuren eines der einflussreichsten Modedesigner des 20. Jahrhunderts. Als Erweiterung zur Originalausstellung, die im Musée des Arts Décoratifs in Paris zu sehen war, wird sich eine Abteilung mit der Faszination des Modeschöpfers für die britische Kultur beschäftigen. Dior sagte zum Beispiel: [su_quote]Es gibt kein anderes Land auf der Welt, außer mein eigenes, dessen Lebensstil ich so sehr mag. Ich liebe englische Traditionen, die englische Höflichkeit, englische Architektur. Ich liebe sogar die englische Küche.[/su_quote]

Zugegeben, die englische Küche hat sich in den letzten 15 Jahren weiterentwickelt, aber grundsätzlich steht Dior mit diesem letzten Satz auch heute noch ziemlich allein dar. (Christian Dior: Designer of Dreams. V&A London, von 2. Februar bis 14. Juli 2019)

Die Mode des Swinging London der 60er Jahre steht im V&A ab April auf dem Programm. Mit der Retrospektive über Mary Quant, der revolutionären Modeschöpferin, die mit jugendlichem Spirit und innovativen Methoden zur Massenproduktion einen neuen Look für Frauen schuf. Die Ausstellung fokussiert auf die Jahre 1955 bis 1975. Durch ihren Erfolg war Quant auch ein Vorbild für berufstätige Frauen und eine wichtige Person des neuen Feminismus. Sie machte den Minirock populär, der eine Ikone für jene Zeit der besonders bunten Kreativszene in London und darüber hinaus wurde. (Mary Quant, Gallery 40, V&A, 6. April 2019 – 16 Februar 2020)

Design für Videospiele

Wer nach London ins V&A Museum reist, sollte auch die seit September laufende Ausstellung „Videogames: Design/Play/Disrupt“ nicht versäumen. Es geht um das sich rasant verändernde Design von Videospielen, das die Grenzen des Machbaren kontinuierlich verschiebt. Von beliebten Spielen von großen Studios wie „Splatoon“ von Nintendo bis zu unabhängigen Spieleentwicklungen wie „Journey“ von thatgamecompany zeigt die Schau die Entstehung von bahnbrechenden Designs und die Methoden und Fähigkeiten, die dafür verwendet und benötigt werden. Mit großen interaktiven Multimedia-Installationen ist diese Ausstellung auch ein Fest für das reizüberflutete Auge. (Videogames: Design/Play/Disrupt, Room 39 und North Court, V&A, noch bis 24. Februar 2019)

Im Londoner Design Museum erforscht David Adjaye ab Februar Zweck und Aufgabe von zeitgenössischen Monumenten. Anhand seines hochgelobten Projekts Smithsonian National Museum of African American History and Culture in Washington D.C. werden die sich verändernden Herangehensweisen an Gebäude, die der Erinnerung dienen sollen, veranschaulicht. Adjaye verwendet seine architektonische Sprache, die Form des Bauwerks als Werkzeug des Geschichtenerzählens. (David Adjaye: Making Memory, the Design Museum, 2. Februar bis 5. Mai 2019)

Moderne Architektur, traditionelle Form

Das Vitra Design Museum zeigt ab Ende März die erste große Retrospektive Balkrishna Doshis außerhalb Asiens. Der Pritzker-Preisträger des Jahres 2018 hat westliche Architekturgrundsätze nach Indien gebracht und mit den heimischen Traditionen und Möglichkeiten vereint. Doshi setzte im Lauf seiner Karriere unterschiedlichste Projekte um: von Privathäusern und Interieurs über Hochschulen, Kultureinrichtungen und Verwaltungsgebäuden bis hin zur Planung von Siedlungen und ganzer Städte. Die Ausstellung ist in vier Themenbereiche gegliedert: Hochschulgebäude, Heimat und Identität, institutionelle Bauprojekte sowie Stadtplanungen. Kuratoren der Ausstellung sind Khushnu Hoof und Jolanthe Kugler. (Balkrishna Doshi: Architektur für den Menschen, Vitra Design Museum, 30. März – 8. September 2019)

Zeitgenössischer Dialog mit dem Bauhaus

Zum Schluss werfen wir nun doch noch einen Blick nach Deutschland und empfehlen aus der Vielzahl der Bauhaus-Ausstellungen die Schau in der Neuen Sammlung München. „Reflex Bauhaus: 40 Objects – 5 Conversations“ lautet der Titel, und das Museum stellt in diesem Rahmen seine bedeutendsten Bauhausobjekte in einen Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Künstler Tilo Schulz stellt dafür 40 historische Objekte der Sammlung fünf zeitgenössischen Werken gegenüber. Die eingeladenen Künstler waren aufgefordert, sich mit ihrem bevorzugten Bauhausobjekt auseinanderzusetzen und dazu eine eigene Arbeit zu entwickeln. Die türkisch-deutsche Modedesignerin Ayzit Bostan befasst sich mit dem Lattenstuhl von Marcel Breuer und entwirft ein zeitgenössisches Äquivalent. Die deutsche Schriftstellerin Barbara Köhler lässt sich von der Doppelleuchte Christian Dells zu einem „Wort-Spiegel-Bild“ inspirieren. Die indische Architektin Anupama Kundoo analysiert einen Stoff der Werkstattleiterin Gunta Stölzl für ein architektonisches Modell. Eine performative Soundinstallation leitet der japanische Komponist Junya Oikawa vom Bauhaus-Schachspiel Josef Hartwigs ab. Und die dänische Künstlerin Sofie Thorsen untersucht die „Didyms“, räumliche Durchdringungen, von Hermann Finsterlin hinsichtlich Raum und Volumen. (Die Neue Sammlung – The Design Museum, Pinakothek der Moderne, München, 8. Februar 2019 – 2. Februar 2020)

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