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Design Shanghai – Wo der Messetrubel wieder startet

von Markus Schraml
2-LA Design

Von 3. bis 6. Juni 2021 wird die Design Shanghai über die Bühne gehen. Wovon europäische Messeveranstalter nur träumen können, ist in China bereits seit Längerem möglich. Ein Vorort-Event mit einem Mix aus heimischen und internationalen Marken sowie einem ambitionierten Talks-Programm (u. a. mit Thomas Heatherwick) und einer Talente-Schiene für die zahlreichen aufstrebenden chinesischen Designer*innen. In ihrem achten Jahr ist die Design Shanghai weiter gewachsen, um erstaunliche 25 %.

Die Direktorin Zhuo Tan (sie ist auch für die Schwesterveranstaltung Design China Beijing verantwortlich) möchte mit der Design Shanghai eine Plattform schaffen, die wie ein Magnet auf die besten Designmarken der Welt wirkt. Noch ist es aber ein weiter Weg bis zum erklärten Ziel, die Design Shanghai zum einflussreichsten Designevent der Welt zu machen. Im formfaktor-Exklusivinterview spricht Zhuo Tan über die Designszene in China und was China im Vergleich zu Europa anders macht im Umgang mit der Pandemie.

formfaktor: Design Shanghai ist seit Langem wieder die erste physische Designmesse. Wie steht es um die Situation in Shanghai in Bezug auf die Pandemie? Und warum geht die chinesische Regierung offensichtlich viel besser damit um als Regierungen in Europa oder den USA?

Zhuo Tan: China kehrte ja bereits letztes Jahr zum „New Normal“ zurück, und bis jetzt laufen verschiedenste soziale Aktivitäten ganz normal ab. Das Leben und die Arbeit der Menschen in Shanghai haben sich wieder normalisiert, und Chinas Ausstellungsbranche hat sich seit letztem Jahr deutlich erholt. Gleichzeitig schützt sich jeder selbst sehr sorgfältig. Die Menschen tragen unbewusst Masken, und der Green Health Code muss vorgezeigt werden, wenn man Büros, Restaurants, Bars und andere öffentliche Orte betreten will. Ich denke, der Grund, warum sich China so gut erholt, liegt darin, dass die Regierung einen stärkeren Einfluss auf das öffentliche Leben hat. Und auch die chinesische Bevölkerung hält sich in solch extremen Situationen eher an die Regeln.

Zhuo Tan ist Event Director der Design Shanghai. Foto © Wang Wei

formfaktor: Wie haben Sie die letzten eineinhalb Jahre erlebt? Und was haben Sie daraus gelernt im Hinblick auf ein Event wie die Design Shanghai?

Zhuo Tan: In den letzten eineinhalb Jahren waren wir sehr beschäftigt. Wir haben die Showfläche um 25 % vergrößert, einen Livestreaming-Kanal gestartet und eine Mini-App als Online-Business-Matchmaking-Service erstellt. Außerdem gelang es uns, ein Live-Design-Festival und zwei Live-Ausstellungen mit über 80.000 Besucher*innen durchzuführen. In diesem Jahr sind wir noch geschäftiger als üblich. Unsere Branche musste eine sehr schwache Verkaufsperiode im Vergleich zu einem Höchststand im Jahr davor durchlaufen. Nun hat sich aber die Home-Design-Branche wieder sehr stark erholt.

Wir haben das Glück, dass wir in China Live-Events veranstalten können, und meine Erfahrung aus früheren Shows hat mich gelehrt, dass immer etwas geht, solange man einen Mehrwert für Unternehmen schafft. Branchenmessen wie unsere müssen schnell auf die Anforderungen der Branche reagieren und eben einen Mehrwert für die Kunden bieten.

formfaktor: Ich habe den Eindruck, dass das Programm der Design Shanghai dieses Jahr sehr international ist. Ich nehme an, es ist Ihre Absicht, noch mehr internationale Marken nach Shanghai zu bringen. Oder geht es eher um einen guten Mix von chinesischen Marken / Designstudios und internationalen Marken?

Zhuo Tan: Die Design Shanghai ist der weltweit am schnellsten wachsende Designevent. Wir wollen eine Plattform schaffen, wo die besten Designmarken der Welt unbedingt dabei sein wollen. Es war immer schon unsere Absicht, ein Event mit globaler Strahlkraft und sowohl vielen internationalen als auch chinesischen Marken zu kreieren. Es ist großartig zu sehen, dass sich mehr und mehr internationale Marken an der Messe beteiligen und ich hoffe, wir können weiterhin das Tor für internationale Marken sein, die in den chinesischen Markt eintreten wollen.

Eine Reihe von internationalen Marken aus dem Westen wird auf der Design Shanghai vertreten sein. Unter anderem Cappellini (Bild), Cassina, Herman Miller, Roche Bobois, HAY, USM, &tradition, Verpan, Carl Hansen & Søn und Occhio. © Cappellini

formfaktor: Wie hat sich die chinesische Designbranche in den letzten Jahren entwickelt?

Zhua Tan: In den letzten zwei Jahren hat sich der internationale Handel aufgrund der Pandemie verlangsamt. Dies gab den lokalen chinesischen Marken die großartige Gelegenheit, den Markt zu erobern. Lokale Designer*innen und Designprodukte verzeichnen ein schnelles Wachstum. Die Design Shanghai hat auch ein Programm namens „Talents“ gestartet, eine neue Initiative und Sonderausstellung, die junge Designer*innen aus China, Asien und der ganzen Welt unterstützen soll. Die Mission hinter „Talents“ ist es, aufstrebenden Designer*innen eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre Arbeit sowohl einem internationalen als auch lokalen Markt präsentieren können. Dies soll der großen Nachfrage der Chines*innen nach gutem Design und guten Designer*innen Rechnung tragen.

formfaktor: Wie würden Sie Nachwuchsdesigner*innen in China beschreiben?

Zhua Tan: Diese neue Generation von chinesischen Designer*innen ist sehr international. Die meisten von ihnen wurden an den besten Designschulen der Welt ausgebildet – wie RCA, Rhode Island School of Design oder Design Academy Eindhoven (DAE). Oft kombinieren sie dieses Know-how mit der wunderschönen alten chinesischen Kultur. Wir erwarten in den nächsten 5-10 Jahren einige wirklich sehr gute chinesische Designer*innen.

Shang Xia
In der Arbeit von Jiang Qiong Er hat die lange chinesische Kulturgeschichte einen hohen Stellenwert. Im Jahr 2010 gründete sie gemeinsam mit Hermès die Marke Shang Xia. © Shang Xia

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