Home Biodiversity Die Rückkehr des Wolfes – Paradigmenwechsel für mehr Biodiversität

Die Rückkehr des Wolfes – Paradigmenwechsel für mehr Biodiversität

von Markus Schraml

Im Rahmen der diesjährigen Dutch Design Week präsentierte das Rotterdamer Designstudio Berkveldt eine Arbeit, die auf die mangelhafte Biodiversität in den Niederlanden Bezug nimmt. Die Designerin Noëlle Ingeveldt schuf das Video „The Return of the Wolf“, das auf einer Abschlussarbeit der Master Interior Architecture Research and Design am Piet Zwart Instituut in Rotterdam basiert.

Die Grundlage für dieses poetisch-märchenhafte Video ist die Rückkehr des Wolfes in die Niederlande nach 150 Jahren seiner Abwesenheit. Dieses Ereignis nutzte Ingeveldt dazu, um sich über die Gestaltung der Landschaft in ihrer Heimat Gedanken zu machen. In den Niederlanden dürfen Natur und Tiere nur in eingezäunten Gebieten leben. Diese Beschränkung verursacht eine extrem geringe Biodiversität. Wölfe jedoch lassen sich dadurch nicht aufhalten und laufen herum, wo es ihnen gefällt. Dies stellt für die Menschen eine Störung dar, die aber für Ingeveldt zu der grundsätzlichen Frage führt, wie wir Menschen im Einklang mit der Natur leben können.

Mensch vs Wolf

Die Geschichte der Beziehung zum Wolf ist für die Menschen mit negativen, bedrohlichen Emotionen verknüpft. Diese Ablehnung, die in vielen europäischen Ländern praktisch zur Ausrottung dieses Tieres führte, ist in alten Volksmärchen festgehalten. Seit einigen Jahren gibt es wieder Bestrebungen, Wölfe anzusiedeln – trotz aller Widerstände, die das mit sich bringt. Für Noëlle Ingeveldt steht die Menschheit vor der Aufgabe, das eigene Verhalten zu hinterfragen und eine Umgebung zu schaffen, die nicht nur für uns, sondern für alle Lebewesen geeignet ist. Dazu wäre es auch notwendig, unsere Gefühle gegenüber dem Wolf zu überdenken, glaubt sie.

Damit der Mensch nicht mehr nur an sich selbst denkt, sondern Tiere und Pflanzen als gleichberechtigte Partner leben lässt, wäre ein Paradigmenwechsel notwendig. Ingeveldt hat deshalb ein medienübergreifendes, immersives Erlebnis geschaffen, in dem der Wolf die Hauptrolle spielt (Rotkäppchen darf sogar auf ihm reiten). Dafür animiert sie historische und aktuelle Bilder sowie Filmmaterial und verfasst ein forschungsbasiertes, neues Märchen, das aus der Perspektive des Wolfes erzählt wird. Die Bildsprache und Kostüme stammen aus mittelalterlichen Geschichten mit Personen, die dem Wolf zugeschrieben werden. Das Ganze findet in einer Art Zelt statt, wie sie im Mittelalter für Theateraufführungen auf öffentlichen Plätzen verwendet wurden.

return of the wolf, Berkveldt
Filmstills aus dem Animationen von Noëlle Ingeveldt. © Berkveldt

Nur mehr 15 % Biodiversität in den Niederlanden

„Derzeit werden zwei Drittel unseres Landes für die Landwirtschaft verwendet. Wiederum zwei Drittel dieser Fläche werden für die Viehzucht genutzt. Dies wird zu einem unvermeidlichen Zusammenstoß mit dem Wolf führen, der ein Territorium von 250 bis 300 km² benötigt“, schreibt Ingeveldt in ihrer Masterarbeit. „Unsere Landschaft, eine Monokultur aus Gras, bietet keine Orte, die nicht an landwirtschaftlich genutzte Flächen stoßen. Dieser Overkill an Ackerland führte dazu, dass wir 2014 über nur noch 15% unserer Biodiversität verfügten”.

Der Fokus von Berkveldts Designforschungen liegt auf dem Thema Entfremdung. Dabei bewegt sich Noëlle Ingeveldt an der Schnittstelle von sozialen, kulturellen, landschaftlichen und politischen Bereichen. Sie arbeitet dafür mit einer Reihe unterschiedlicher Materialien und Medien.


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