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The World of Tim Burton

Exhibition-Highlights – Von Timo Sarpaneva bis Tim Burton

Das Wunderbare an Ausstellungen ist, dass sich ein Besuch sowohl bei sehr heißem als auch unangenehm kühlem Wetter lohnt. Denn meist sind die Räumlichkeiten klimatisiert und bieten somit Schutz vor der Hitze, andererseits bleibt der hartnäckige Herbstregen ausgesperrt und im Inneren herrscht warme, trockene Heizungsluft. Designinteressierte haben derzeit eine Vielzahl von Möglichkeiten sich ausstellungsmäßig weiterzubilden oder einfach visuell erfreuen zu lassen. Einige der Höhepunkte dieses Sommers und des kommenden Herbstes stellt formfaktor im Folgenden vor.

Die Welt von Tim Burton

Die Wanderausstellung „The World of Tim Burton“ macht Station im belgischen Genk. Vom 15. August bis zum 28. November sind in der dortigen Kulturerbestätte C-mine Arbeiten des visionären Filmregisseurs zu sehen, der viel mehr macht als „nur“ Filme zu drehen. In seiner künstlerischen Vielfältigkeit zeichnet, malt und fotografiert er, baut Puppen und Modelle, dreht Animationsfilme und kreiert skulpturale Installationen. All diese Tätigkeiten des Mr. Burton sind in der Schau zu sehen. Über 400 Objekte wurden dafür von Kuratorin Jenny He zusammengestellt und geben Einblick in die dunkel-bizarre Welt des kreativen Tausendsassas. „The World of Tim Burton“ war bereits in New York, Paris, Tokio, São Paulo und Prag zu sehen.

Documentary Design von Christien Meindertsma

Im Vitra Design Museum läuft ab dem 18. August die Ausstellung „Christien Meindertsma: Beyond the Surface“. Dieser Titel trifft die Arbeitsweise der jungen, niederländischen Designerin auf den Punkt. In ihrem Verständnis des Designprozesses schaut sie genau hin, sehr genau und hinterfragt dabei industrielle Produktionsweisen. Ihre Forschungsarbeit führt sie dafür nicht nur in Fabriken und Werkstätten, sondern auch auf Müllhalden. In der Schau werden Meindertsmas Arbeiten mit neuer und recycelter Wolle, Flachs und Schlacke aus der Haushaltsmüllverbrennung gezeigt. Und da es bei der Designerin nie nur um die fertigen Produkte geht, sondern auch um die Entstehung und vor allem die Hintergründe, wurden auch Prototypen und Materialproben sowie die wichtigen Film- und Printdokumentationen der Produktionsprozesse in die Ausstellung aufgenommen.

Die Grenzen des Wachstums

Im Industriedenkmal Le Grand-Hornu, zwischen Mons und Valenciennes in Belgien gelegen, läuft noch bis zum 21. Oktober die Ausstellung „The Limits To Growth! Design And No-Growth“. Den Ausgangspunkt für diese Schau bildet das berühmte Buch „Die Grenzen des Wachstums“ von Dennis L. Meadows und dem Club of Rome, das schon im Jahr 1972 auf die Unmöglichkeit ständigen Wachstums aufmerksam machte. Den angeregten Diskussionen über dieses Thema in den 1970er Jahren folgten keine entsprechenden Maßnahmen und erst jetzt, weit über vier Jahrzehnte später, realisieren immer mehr Menschen, dass das Dogma des Wachstums in eine Sackgasse führt. Es gibt zahlreiche Initiativen, die sich mit Ökologie, Ressourcenschonung und einen nachhaltigen Lebensstil beschäftigten. Welche Rolle kann in diesem Zusammenhang Design spielen?, fragt die Ausstellung. Viele nicht nur junge Designer können mit der Gestaltung von Gütern für die Massenproduktion nichts mehr anfangen und fragen stattdessen nach nachhaltigen Produktionsprozessen, Methoden und Werkzeugen, die die Umwelt schonen und keine Ressourcen verbrauchen. Das geht bis hin zur Unterstützung einer faireren Verteilung des Profits. Es werden kritische Arbeiten zum Status quo des Systems gezeigt und alternative Vorschläge gegenübergestellt. Vorschläge aus den Bereichen Recycling, lokale Produktion, Lowtech, dem Kampf gegen geplante Obsoleszenz oder dem Aufkommen von neuen Wirtschaftsmodellen.

The Limits to Growth! Design and no-growth
Biceps cultivatus, Kitchen low tech in der Ausstellung The Limits to Growth! © Biceps Cultivatus
The Limits to Growth! Design and no-growth
Lenka Vackova. Fast or last. Ausstellung: The Limits to Growth! © Foto: Karolina Ketmanova
Victor Papanek: The Politics of Design, Vitra Design Museum
Victor J. Papanek and James Hennessy, Lean-To Chair (1974). © James Hennessy and University of Applied Arts Vienna, Victor J. Papanek Foundation
Victor Papanek: The Politics of Design, Vitra Design Museum
Victor J. Papanek filming the WNED-TV Channel 17 programme Design Dimensions in Buffalo, NY (1961 – 1963). © University of Applied Arts Vienna, Victor J. Papanek Foundation
Timo Sarpaneva im Design Museum Helsinki
Timo Sarpaneva und eine neue Version von Kayak, aufgenommen in Pino Signorettos Studio in Murano, Venedig, 1998.
Timo Sarpaneva im Design Museum Helsinki
Glasskulptur von Timo Sarpaneva, hergestellt von Iittalan kiviveistämö, 1985. ©Rauno Träskelin

Konsumkritik und Design

Ebenfalls im Vitra Design Museum wird ab 29. September eine umfangreiche Retrospektive über den Designer, Autor und Vermittler Victor J. Papanek (1923-1998) präsentiert. Vor allem durch seine Arbeit als Aktivist und Vermittler eines neuen, kritischen Designverständnisses kann seine Leistung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sein wichtigstes Werk „Design for the Real World“ (1971) ist wohl bis heute das meistgelesene Designbuch überhaupt. Schon damals setzte er sich für Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Inklusion ein. Die Ausstellung umfasst teilweise nie gezeigte Exponate wie Zeichnungen, Objekte, Filmdokumente, Manuskripte und Druckgrafiken. Ergänzend werden Werke von Zeitgenossen Papaneks der 1960er bis 1980er Jahre gezeigt, darunter George Nelson, Richard Buckminster Fuller, Marshall McLuhan und der Radical-Design-Initiative „Global Tools“. Zeitgenössische Arbeiten aus den Bereichen Critical Design und Social Design veranschaulichen Papaneks nachhaltigen Einfluss auf heutiges Design. „Victor Papanek. The Politics of Design“ läuft im Vitra Design Museum bis zum 10. März 2019.

Glasobjekte von Timo Sarpaneva

Schnell noch einen Sprung nach Helsinki. Im dortigen Design Museum läuft bis zum 23. September eine Ausstellung mit Arbeiten von Timo Sarpaneva. Der Gestalter (1926-2006) hatte einen wichtigen Anteil am Aufbau der Reputation von finnischem Design auf internationaler Ebene in den 50er und 60er Jahren. Am bekanntesten sind Sarpanevas Glas- und Kunstobjekte für Iittala, er hat aber auch mit Metall, Keramik und Textilien gearbeitet. Die Schau bietet einen detaillierten Einblick in das Oeuvre des vielseitigen Designers, darunter auch bisher nicht gezeigte Arbeiten, wie etwa Projekte des talentierten Studenten des Grafikdesigns, Gestaltungen für bedruckte Stoffe und Textilien. Natürlich sind auch die bekannten Glasarbeiten vertreten, wie Kayak (1954) oder Orchid (1954). Einen wichtigen Teil der Ausstellung bilden Videos mit Timo Sarpaneva, die von Marjatta Sarpaneva aufgenommen wurden. Anne Lakanen, Professor für Filmschnitt an der Aalto-Universität hat das umfangreiche Filmmaterial für die Ausstellung geschnitten. Kurator: Harry Kivilinna.


Featured Exhibitions

The World of Tim Burton, C-mine, Genk, 15.08. bis 28.11. 2018

Christien Meindertsma. Beyond the Surface, 18.08.2018 – 20.01.2019, Vitra Design Museum Gallery

The Limits to Growth! Design and no-growth, noch bis 21.10.2018, CID – centre for innovation and design in Grand-Hornu

Victor Papanek: The Politics of Design, 29.09.2018–10.03.2019, Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Timo Sarpaneva, noch bis 23.09.2018, Designmuseo, Helsinki

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