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Lina Bo Bardis Bowl Chair im Rubelli-Gewand

von Markus Schraml
Bowl Chair, Lollipop, Eureka

Der von der brasilianischen Architektin und Designerin Lina Bo Bardi entworfene und von Arper in einer limitierten Auflage von 500 Stück produzierte Bardi’s Bowl Chair ist nun auch mit Bezügen des venezianischen Textilspezialisten Rubelli erhältlich. Mit dieser Zusammenarbeit wollen Arper und Rubelli die 1992 verstorbene Gestalterin ehren, die auf Betreiben von Hashim Sarkis, dem Kurator der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig, posthum mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde.

Eine späte Anerkennung, die die herausragende Designerin mehr als verdient hat. Den „Bowl Chair“ entwarf sie bereits 1951, produziert wurde er allerdings erst 2012 – von Arper. Die Grundlage dafür war eine Zusammenarbeit mit dem in São Paulo ansässigen Instituto Bardi, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Werk von Lina Bo Bardi zu bewahren und bekannter zu machen. Darüber hinaus unterstützte Arper von 2012 bis 2016 die Wanderausstellung „Lina Bo Bardi:Together“, die dazu beitrug, die Ideen und Gedanken Lina Bo Bardis erneut ins Bewusstsein zu rufen.

Ursprüngliche Vision – industrielle Produktion

Arper entwickelte für den „Bowl Chair“ ein Produktionskonzept, in dem das ursprüngliche Design mit modernster Technik und zeitgenössischen Produktionsmethoden umgesetzt wird. Ab September 2021 ist der „Bowl Chair“ mit zwei neuen Bezügen von Rubelli erhältlich: Lollipop und Eureka. Die Stoffe wurden ausgewählt, weil sie der Arbeit von Lina Bo Bardi nahe stehen. Dabei geht es um den Respekt in Bezug auf die zeitgenössische Essenz eines Projekts, um taktile Qualitäten und Farben. Es entsteht eine Verbindung zwischen der italienischen und brasilianischen Kultur.

Ein Leben in Italien und Brasilien

Achillina Bo wurde 1914 in Rom geboren. Nach ihrem Architekturstudium zog sie nach Mailand und arbeitete in Gio Pontis Studio. Anschließend eröffnete sie ihr eigenes Atelier, das jedoch 1943 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Dieses Ereignis machte sie zur Aktivistin der Widerstandsbewegung. Während des Krieges arbeitete sie als Illustratorin und Journalistin für mehrere Zeitschriften und leitete sogar die von Gio Ponti gegründete Zeitschrift Domus.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentierte sie die Zerstörung Italiens (im Auftrag von Domus) und nahm am ersten Nationalkongress für den Wiederaufbau teil. Mit Bruno Zevi und Carlo Pagani gründete sie die Wochenzeitung „A – Cultura della Vita“ (A – Kultur des Lebens). 1946 heiratete sie den Journalisten, Kunstkritiker und Galeristen Pietro Maria Bardi, mit dem sie noch im gleichen Jahr nach Brasilien übersiedelte. Durch ihre Nähe zur kommunistischen Partei und das Engagement im Widerstand sahen sie wohl keine Zukunft im Nachkriegsitalien. In Brasilien begann sie, sich sowohl dem Industriedesign als auch der Innenarchitektur zuzuwenden. Aus dieser Zeit stammt das Projekt Bardi’s Bowl. 1951 wurde sie brasilianische Staatsbürgerin und entwarf das Casa de Vidro (Glashaus), ihr originelles Zuhause, eingebettet in die Vegetation des Jardin Morumbì. Heute ist das Gebäude ein Museum, in dem das Instituto Lina und Pietro Maria Bardi untergebracht ist.

Casa de Vidro (Glashaus), Lina Bo Bardis Zuhause © Thiago Esperandio/Ministério da Cultura

Design aus der Tradition des Landes

1957 begann sie mit der Gestaltung des São Paulo Museum of Modern Art (MASP), ihrem ersten öffentlichen Projekt, das 1964 eingeweiht wurde. Ihr Konzept des Solar do Unhão Folk Art Museum stammt aus dem Jahr 1959: eine Museumsschule, die Workshops für die Produktion einer neuen Art von Design veranstaltet, ein Design, das auf die einheimischen handwerklichen Traditionen des Landes achtet. In den 1960er- und 1970er-Jahren konzentrierte sie sich auf städtebauliche Projekte und private Wohnungsbauvorhaben. Nur ein Beispiel ihrer vielen Projekte in diesen Jahren ist das Dorf in Camurupim.

Das Kunstmuseum (MASP) von São Paulo © Morio – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org

In den 1980er-Jahren widmete sie sich hauptsächlich Renovierungsprojekt. Darunter die Sanierung der Pompéia-Fabrik in São Paulo (1977-1986), die sie in ein soziales Zentrum umwandelte: die SESC-Pompeia-Fabrik. Es ist auch heute noch gut besucht und wird wegen der vielen dort stattfindenden gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Aktivitäten und der außergewöhnlichen Architektur geschätzt. Lina Bo Bardi starb 1992 in São Paulo.

Lina Bo Bardi, SESC Pompeia, 1982 © CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org

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