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Matteo Nunziati definiert Luxus neu

von Markus Schraml
Florim, Heritage Luxe

Seit über 60 Jahren stellt Florim Keramikoberflächen für Architektur und Inneneinrichtungen her. Unter der Leitung von Claudio Lucchese, Sohn des Gründers Giovanni Lucchese, begibt sich das italienische Unternehmen im Jahr 2022 auf eine neue Ebene und präsentiert den Namen Florim erstmals als eigene Produktmarke. Um diese Neupositionierung und die damit verbundenen Unternehmenswerte im besten Licht darzustellen, hat Florim kurzerhand einen ausgewiesenen Fachmann aus dem Bereich Interieurdesign engagiert – Matteo Nunziati. Der Mailänder Architekt und Designer ist bekannt für seine zeitgemäßen Ausstattungen von Luxushotels.

Nunziati hat Rauminterpretationen geschaffen und als Installationen im Mailänder Flagshipstore von Florim aufgebaut. „Die DNA des Unternehmens ist immer die gleiche, die einzelnen Kollektionen unterscheiden sich aber in ihrem Stil“, sagt der Architekt im FORMFAKTOR-Gespräch während eines Rundgangs durch den Showroom. Es wurden vier Begriffe definiert, um die unterschiedlichen Anwendungsbereiche abzubilden: Architectural Design, Creative Design, Contemporary Design und Luxury Design. Beim Thema Architektur geht es um eher technische Materialien, wie sie für Fassaden zum Einsatz kommen, bei Creative Design spielt vor allem die Kombination verschiedener Looks eine Rolle. Zu sehen sind Keramikfliesen, die Holz oder Marmor täuschend echt nachahmen.

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Matteo Nunziati: Für die Schiene „Contemporary Design“ haben wir einen frischen, jungen, aber eher kleinen Raum gestaltet, ein Badezimmer. Durch den Einsatz von Farbe und bestimmten Mustern ist dieser Raum sehr designorientiert. Er soll zeigen, dass man auch auf kleiner Fläche ein gewisses Level von Wellbeeing erreichen kann. Ich habe dafür ein Waschbecken für Florim designt – nur für die Messezeit. Ich will damit auch die Technologie dahinter zeigen, denn dieses Material ist durchgehend, das heißt, es besteht nicht aus mehreren Keramikschichten.

Gutes Design ist auch auf kleiner Fläche möglich. Das „Contemporary Design“-Schaubild zeigt eine Variante. © Enrico Galloni

FORMFAKTOR: Das Installationsbild für die Schiene „Luxury Design“ wird von einer riesigen Marmorwand dominiert, so scheint es.

Matteo Nunziati: Aber der Schein trügt, tatsächlich werden hier nur Keramikfliesen verwendet. In vielen Fällen sind Fliesen besser als Marmor, weil bei Marmor gibt es eine Reihe von Bestimmungen, wie er transportiert, wie er gelagert werden muss. Bei Keramikfliesen ist das sehr viel einfacher. Sie sind viel dünner und leichter als Marmor. Es ist fast unmöglich, eine Decke ganz aus Marmor zu machen, mit Fliesen hingegen ist das kein Problem.“

FORMFAKTOR: Das Wort „Luxus“ und was die Menschen damit verbinden, hat sich in den letzten 15, 20 Jahren verändert. Wie und Warum?

Matteo Nunziati: Das hat sich total verändert. Früher war Luxus dazu da, um anzugeben. Als Interieurdesigner habe ich mit der Trump Organization zusammengearbeitet. Dort war es üblich, eine kräftige, vordergründige Dekoration zu verwenden. Ich sagte aber Nein, wir müssen uns weiterentwickeln. Das bedeutete, schöne Materialien einzusetzen und sie mit guter Technologie zu verbinden. Zum Beispiel in Küchen oder in einer Garderobe, wo man die perfekte Technologie direkt spüren kann, wenn man die Türen benutzt. Wenn man den Stoff eines Sofas berührt, fühlt man die Qualität des Materials – das ist Luxus. Luxus ist nicht nur vordergründig und wenn man dann eine Lade öffnet, ist nichts dahinter. Alles muss auf demselben hohen Niveau sein. Für den Trump Tower in Pune (Indien Anm.) sind wir in puncto Luxus neue Wege gegangen. Luxus bedeutet Qualität, hochwertige Arbeit in allen Details.

„Luxury Design“ steht für eine neue Art des Luxus, in der Eleganz vorherrscht. Für Nunziati ist moderner Luxus ganz eng mit dem Thema Qualität der Materialien verbunden. © Enrico Galloni

FORMFAKTOR: Welche Rolle spielen Fliesen im Interieurdesign?

Matteo Nunziati: Eine große Rolle. Früher war die Fliese der arme, kleine Bruder des Marmors. Heute sind Fliesen sogar besser als Marmor, weil man viel mehr Möglichkeiten hat. Man kann sie an der Decke anbringen, am Boden. Sie sind leicht zu transportieren, zu lagern und extrem widerstandsfähig. In einem Privathaus würde ich zum Beispiel echtes Holz verwenden, aber im Hospitality-Bereich braucht man viel haltbarere Materialien und dafür eignen sich Keramikfliesen perfekt – auch im Holzlook. Generell ist es so, dass Keramikfliesen eine enorme Palette an Einsatzmöglichkeiten bieten.

FORMFAKTOR: In ihrer Karriere haben Sie die ganze Welt bereist. Beeinflusst das ihre Arbeit als Interieurdesigner?

Matteo Nunziati: Sehr stark. Zum Beispiel habe ich eine Kollektion für die Florim-Marke CEDIT entworfen (Tesori, Anm.), die vom Nahen Osten und von Indien beeinflusst ist. Vor allem von der Tradition der Maschrabiyya, die Fenstergitter des Nahen Ostens und deren Ornamentik. Das habe ich auf moderne Art interpretiert. Inspirationen ergeben sich überall auf der Welt. Auch hier auf dem Salone ist es unglaublich bereichernd, die Ideen der vielen Designer zu sehen, die hier mit ihren Arbeiten vertreten sind. Das passiert dann eher unterbewusst, dass man Monate später etwas entwirft, was vielleicht aus einer Emotion heraus entsteht, die man durch ein Erlebnis auf dem Salone hatte. Oder auf einer Reise erfahren hat.

FORMFAKTOR: Ihre Interieurs kann man als zeitgemäße Interpretation von Luxus bezeichnen. Wie sehen Sie selbst Ihren Designansatz?

Matteo Nunziati: Meinen persönlichen Interieurstil sehe ich als zeitgenössisch. Ich mag Adolf Loos sehr und die österreichische Einrichtungstradition. Grundsätzlich bin ich in meinem Stil sehr fokussiert. Bei diesem Projekt hier wurde ich gebeten, unterschiedliche Stile darzustellen. Das heißt, ich habe meinen Stil jeweils ein bisschen angepasst. Und das hat mir viel Spaß gemacht. Es war für mich sehr interessant. Es ist ja so, dass, wenn man sich zu sehr auf seinen eigenen Stil konzentriert, besteht das Risiko, dass man sich wiederholt. Aber bei einem Projekt wie diesem kann man sich davon auf spielerische Art etwas lösen.

Matteo Nunziati hat auf der ganzen Welt Luxushotels designt und renoviert. Er steht für eine neue Form des Luxus, die nicht angeberisch ist, sondern auf durchdringende Qualität setzt. © Dinah Wille

Architekt und Designer Matteo Nunziati gründete sein eigenes Büro im Jahr 2000. Er lehrte an der Domus Academy und im Taipai Industrial Design Department. Viele seiner Projekte – wie Luxushotels, Wellnesscenters oder Spas hat er in den Vereinigten Arabischen Emiraten, besonders in Dubai umgesetzt. Für seine Arbeit am größten 5-Sterne-Hotel in Doha (Katar), dem 50-stöckigen „Fraser Suites West Bay“ erhielt er den World Travel Award. Nunziatis bekanntestes Wohnprojekt, das Penthouse im Mailänder Bosco Verticale wurde 2018 mit einem RIBA-Award ausgezeichnet. Sein New York-Penthouse an der 432 Park Avenue gilt als das weltweit teuerste Apartment (95 Mio. US-Dollar). Aus einer Verbindung von höchstem ästhetischen Anspruch und technischen Standards gelingt es Matteo Nunziati, Räume zu kreieren, in denen ein intensiver Dialog zwischen Möbel, Oberflächen und Ornamenten stattfindet. Für ihn bedeutet Luxus – höchste Qualität im Material und der Verarbeitung.


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