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Pure Talents Contest 2021 – die Gewinner*innen

von redaktion
Pure Talents Contest 2021

Im Rahmen des Trend-Briefings der imm cologne wurden die Gewinner des Pure Talents Contest 2021 bekannt gegeben. Zwei Lichtobjekte, ein leichter Universal-Holzstuhl sowie eine modulare Street-Food-Küche waren die Kreationen von Jungdesigner*innen mit dem größten Potenzial, meinte die Jury und lobte die sowohl sinnlichen als auch ausgereiften Produktentwürfe der Sieger*innen.

Der erste Preis ging an Luiza Guidi und ihre Maya Collection, eine Reihe von Lichtskulpturen, die der Wand eine neue Dimension verleihen. Den zweiten Preis erhielt Dirk Vosding für seinen Entwurf Elina, mit dem der Nachwuchsdesigner in der digitalen Ära Licht auf das analoge Medium Buch wirft. Beim mit dem dritten Preis ausgezeichneten Olivia chair von Tatu Laaksos handelt es sich um einen leichten Holzstuhl, der eine schlanke Struktur mit einem komfortablen Sitzerlebnis verbindet. In der LivingKitchen Selection errang Erik Mantz-Hansen mit seiner kompakten Modulküche Guerilla Kitchen den ersten Preis.

Die Jury hatte aus 862 Einreichungen aus 59 Nationen im Oktober 2020 insgesamt 26 Entwürfe nominiert. Wobei die Juroren vor allem den Aspekt der Produktreife hervorhoben. „Bei der Jurierung sollte neben der Idee, der Komposition und der Designqualität auch die Fähigkeit von Designern gewürdigt werden, kommerziell funktionierende Produkte zu gestalten“, sagt Jurorin Jennifer Reaves (GF der Designmesse blickfang).

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Projekte der Gewinner*innen

Die Maya Collection der Brasilianerin Luiza Guidi besteht aus einer Gruppe von Lichtskulpturen. Wie beim Öffnen eines Fensters lässt sich der LED-ausgekleidete Rahmen von der Wand aufschwenken, wodurch auf selbsterklärende Weise ein sinnliches Licht- und Schattenspiel entsteht. Mit jeder Bewegung des Rahmens verändert sich auch das Licht im Raum. „Uns hat hier besonders das sinnliche Spiel mit Licht berührt, und zwar sowohl als Objektskulptur wie auch als funktionales Produkt“, begründet Reaves die Entscheidung für den Siegerbeitrag. Auch bei dem Entwurf Elina des Deutschen Dirk Vosding geht es um die verändernde Interaktion mit Licht. Im geschlossenen Zustand ist es eine Buchstütze. Wird sie langsam herausgezogen, beginnt die Glasscheibe im Inneren zu leuchten und wirft mehr und mehr Licht auf die umliegenden Bücher. In voll ausgefahrenem Zustand lässt sich die verstellbare Leuchtscheibe dann als Leselicht verwenden. „Der Entwurf erinnert an altbekannte Klemmleuchten fürs Bücherregel, ist aber ungleich charmanter – ein einfaches, kleines, feines Produkt, das genauso gut als Tischleuchte oder als Buchstütze auf dem Sideboard oder dem Nachttisch stehen kann“, erklärt Jurymitglied Eva Marguerre. Begeistert zeigte sich die Jury auch vom Olivia chair des Finnen Tatu Laakso, dem drittplatzierten Siegerentwurf. „Uns hat das schöne Modell durch sein Spiel mit Formsperrholz begeistert und durch seine Formensprache, die sinnlich und leicht ist und Referenzen zum finnischen Design zeigt. Ein sehr souveräner Entwurf für ein Semesterprojekt, dessen Qualität selbst für Diplomarbeiten nicht selbstverständlich ist”, meint Designer und Juror Sebastian Herkner.


In der LivingKitchen Selection des Pure Talents Contest 2021 überzeugte die Guerilla Kitchen des Deutschen Erik Mantz-Hansen die Jury. Sie ist als Werkzeug für die Zubereitung von Street Food im urbanen Raum konzipiert, die durch ihre Kompaktheit Mobilität in der Stadt und vielfältige Nutzungsoptionen auf kleiner Fläche ermöglicht. Durch individuell zusammenstellbare Module kann eine große Vielfalt an Gerichten zubereitet werden. „Hier passt der Entwurf perfekt zum Anspruch der LivingKitchen, Ernährung und Kochen wirklich zu leben“, findet Norbert Ruf, Creative Director und GF Thonet GmbH. „Mit einer sehr funktionalen, fast werkzeugorientierten Gestaltungssprache umgesetzt, wirkt das Produkt auch sehr robust. Man kann sich vorstellen, dass es eine lange Zeit als Funktionsobjekt in Gebrauch sein kann. Zudem trägt der sympathische Entwurf, der mit seinen unterschiedlichen Funktionalitäten sehr gut durchdacht ist, das Thema Werkzeug für die Küche und zum Kochen auf eine gute Art und Weise in den öffentlichen Raum.“

Prekäre Situation für Nachwuchsdesigner*innen

Der Pure Talents Contest 2021 fand unter schwierigen, sehr unvorteilhaften Bedingungen statt, denn durch die Absage der Messe imm cologne ging die vor allem für Jungdesigner*innen so wichtige Präsentationsplattform verloren, wo sich jedes Jahr Branchenvertreter*innen, Fachwelt und Designinteressierte aus aller Welt treffen. Dieses normalerweise professionelle, attraktive Umfeld war diesmal auf digitale Kanäle reduziert, die zwar intensiver bespielt wurden, aber dennoch eine Vorort-Präsentation mit all den Möglichkeiten der Interaktion nicht ersetzen können. Dies kam auch während der Online-Preisverleihung zum Ausdruck. So brachte Sebastian Herkner die prekäre Situation vieler junger Designer*innen zur Sprache. Ihnen fehle es an Plattformen, sich und ihre Arbeit zu präsentieren und sich mit der Business-Welt zu vernetzen. Auch für die Wettbewerbsteilnehmer sei die Promotion durch die Presse daher in dieser schwierigen Zeit besonders wichtig.

(v.l.n.r.) Eva Marguerre, Sebastian Herkner, Norbert Ruf und Jennifer Reaves mit Fotos der Gewinner*innen. © Koelnmesse GmbH / Foto: Frank A. Reinhardt; Koelnmesse

Ebenso müssen sich Messeveranstalter und Organisatoren von Nachwuchswettbewerben umstellen oder besser gesagt weiterentwickeln. Einige haben dies bereits erkannt und arbeiten konsequent an neuen digitalen Präsentationsformen und an der Entwicklung digitaler Plattformen, die das ganze Jahr über ein Zentrum und ein Treffpunkt für die Designbranche sein wollen. Andere sträuben sich noch und bleiben ihrem alten Geschäftsmodell zu starr verhaftet. Aber auch sie werden begreifen müssen, dass fortschrittliche digitale Werkzeuge, die einen Mehrwert für die Nutzer*innen darstellen, unabdingbar sind, auch in einer Zukunft, in der Messehallen wieder gefüllt werden dürfen.


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