Home Award Umweltbewusstsein? Eine Selbstverständlichkeit – Pure Talents Contest 2019

Umweltbewusstsein? Eine Selbstverständlichkeit – Pure Talents Contest 2019

von Markus Schraml
Pure Talents Contest

Es ist schön, zu sehen, dass im Selbstverständnis der großen Möbelmessen auch die Nachwuchsförderung ihren Platz hat. Nicht nur aktuelle Produkte von Unternehmen werden präsentiert und eine Trendschau der kommenden Saison inklusive Vorträgen und Workshops geboten, sondern auch ein Blick in die Zukunft des Designs geworfen. Denn die Gestaltungsideen und Lösungsvorschläge der jungen Designer*innen spiegeln meist ein sehr fortschrittliches Weltbild wider, indem ein hohes Bewusstsein für die vielfältigen Probleme der Gegenwart herrscht.

Was den Designnachwuchs bewegt und welche Ideen er damit verbindet, führte auch der diesjährige Pure Talents Contest vor Augen, der im Rahmen der imm cologne stattfand. Aus den 926 Einreichungen aus 69 Nationen wurden 26 Beiträge nominiert. Die Arbeiten von Designstudenten*innen und Absolventen*innen aus China, Taiwan, Indien, Israel, Finnland, Schweden, den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und den USA thematisierten in vielen Fällen die Ressourcenknappheit und den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen und Produktionsmittel. Aber auch die veränderten Wohnvorstellungen beschäftigten die jungen Designer*innen.

Der Gewinner des Contests, der zu Beginn der Kölner Messe bekannt gegeben wurde, war Ilja Huber mit seinem Leuchtenentwurf Baschnja. Jurymitglied Sebastian Herkner sagte zum Siegerprojekt: „Wir haben hier einen beeindruckenden Prototypen, dessen Präsentation uns alle überzeugt hat. Es ist eine tragbare, dreiteilige Lampe, sehr leicht und mit LED-Technik. Man kann sie in drei separate Leuchten aufteilen und an jeweils anderen Orten aufstellen oder zu einer einzigen, säulenförmigen Leuchte zusammenfügen, bei der jedoch jede einzelne Leuchte in eine andere Richtung gedreht werden kann.“ Baschnja entspreche modernen Wohnanforderungen nach Flexibilität und Vielseitigkeit betonte die Jury. Platz 2 ging an Bench Gang von Christian Cowper. Der Designer hat seinen dynamischen Bänken spielerischen Charakter verliehen. Sie setzen einen Fuß vor den anderen und scheinen gleich loslaufen zu wollen. Die Bänke sind teil von Cowpers Projekt „Play“, mit dem er die positiven Effekte des Spielens für Geist und Seele des Menschen untersucht. Um das Spielen in einem direkteren Sinne geht es auch bei Julian Martickes Projekt „A DAY AT ZOO“. Die bunten, geometrischen Holzbausteine können mithilfe von eingebauten Magneten zu Tieren oder Fantasielebewesen kombiniert werden. Sie geben außergewöhnliche Accessoires ab und sind eine analoge Spiele-Alternative in der digitalen Welt. Jurorin Suvi Saloniemi (Chefkuratorin des Helsinki Design Museum) gefiel einerseits der poetische Charakter, andererseits die praktikable Umsetzung, die zum gemeinsamen Figurenbauen von Jung und Alt anrege.

Erstmals wurde im Rahmen des Pure Talents Contests 2019 aus der LivingKitchen Selection ein Preis ausgelobt. Dieser ging an The Portable Kitchen Hood von Maxime Augay. Dieser tragbare Dunstabzug funktioniert trotz seiner geringen Größe perfekt und lässt sich leicht bedienen. „Außerdem schaut der Entwurf in die Zukunft, wenn die Wohnungen in den Megacitys kleiner werden“, meinte Suvi Saloniemi. Des Weiteren sprach die Jury drei Special Mentions aus. Für The Conscious Unconsciousness von Michael Varga sowie die LivingKitchen Selection-Entwürfe Rebrush von Jingbei Zheng und SPL 3650 von Peter Sorg. Michael Varga hat drei Produkte entworfen, die dazu auffordern, mit ihnen zu kommunizieren. Außerdem greifen sie das Thema Nachhaltigkeit auf humorvolle Art auf. Sebastian Herkner: „Die Botschaft lautet, darüber nachzudenken, wie wir mit Licht, mit Wasser, mit unseren Ressourcen umgehen.“ Das Thema Micro-Living wurde ein weiteres Mal im Entwurf von Peter Sorg aufgegriffen. Das Küchenlabor SLP 3650 ist eine kleine Küche, in der man trotzdem auf nichts verzichten muss. Der konzentrationsfördernde Ort punktet mit glatter, fugenloser Oberfläche und mit Flexibilität, denn die Küche kann überall, wo es einen Wasseranschluss gibt, installiert werden, und beim Umzug kann man sie einfach mitnehmen. Rebrush von Jingbei Zheng wiederum nimmt sich das Thema der Rohstoffalternativen zu Plastik vor. Es ist ein Reinigungsset für die Küche, das aus dem Kürbisgewächs Luffa besteht. „Wir reden viel über Plastik in den Meeren. Hier müssen wir als Ersatz natürliche Lösungen wie Rebrush finden“, begründete Sebastian Herkner die Entscheidung der Jury.

Pure Talents Contest

Kick-Start für Designer: Neben dem Zugang zu einer wichtigsten internationalen Business-Plattform der Einrichtungsbranche wird der Vernetzungs-Gedanke beim Pure Talents Contest großgeschrieben. Foto: Koelnmesse GmbH/Lutz Sternstein

Pure Talents Contest

Logo des Pure Talents Contest


Hier geht es zum Review der jüngsten Ausgabe der imm cologne 2019.

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