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Schmuck als tragbare Technologie

von Caroline Wanderberg
Tragbare Technologie

Schmuck, der auf Berührungen und die Herzfrequenz reagiert, ein Real-Time Bio-Data Armband, Augmented Reality Schmuckdesign oder Schmuck, der auf die Trägerin hört und lernt – all dies sind schon jetzt umgesetzte Schmuckgestaltungen, die sich mit moderner Technologie auseinandersetzen. Im Rahmen der kommenden Wiener Schmucktage (6. – 11. November) zeigt die Ausstellung „Tragbare Technologie“ bei Alja & Friends wie relevant diese Art von Schmuckdesign bereits heute ist. In einer Zeit, in der Smart Watches oder Bluetooth Kopfhörer nicht nur Funktionen erfüllen, sondern auch eine starke dekorative Bedeutung haben, stellt sich die Frage – wie positioniert sich zeitgemäßer Schmuck in der digitalen Gesellschaft.

Antworten darauf gibt die Gruppenpräsentation „Tragbare Technologie“. Sie beschäftigt sich mit dem Verschmelzen von Technik und Design in Schmuckstücken. Die Ergebnisse machen in erster Linie Spaß, sind mitunter aber auch hilfreich. Antonio Daniele etwa hat mit BYO eine Open Source Software programmiert, die es erlaubt, über das Myo-Armband von Thalmic Labs Biodaten in Echtzeit zu visualisieren, zu verklanglichen und zu verwalten. Das Ziel dieses Projekts ist es, ein System zu kreieren, das die Bewegungen der Arme während verschiedener Tätigkeiten bildlich und akustisch darzustellen kann.

An Liang hat digitalen Schmuck geschaffen, der mithilfe eines elektronischen Kernmoduls drei unterschiedliche Funktionen erfüllt: Farbsensor, Mikrofon oder Kompass. Je nach Szenario und Stil reagiert der Schmuck anders. Als Halskette, die während eines Konzerts oder in einem Pub getragen wird, kann er die Lautstärke des Klangs darstellen oder als Brosche sich dem jeweiligen Outfit farbmäßig anpassen. Schließlich kann er, als Armband bei Outdoor-Aktivitäten getragen, die Nord-Süd-Richtung anzeigen.

Share It von Konstanze Prechtl ist eine Kollektion von Anstecknadeln, die es dem Träger ermöglichen, digitale Informationen zu teilen. Dafür wird in das Innere der Schmuckstücke NFC-Technologie eingearbeitet. Das Smartphone kann sich mit diesen NFC-Tags verbinden und etwa Kontaktdaten speichern. Das britische Label WISP von Wan Tseng ist mehr als eine Schmuckmarke. Der Gründerin geht es in ihrem Projekt um einen neuen Zugang für Frauen zur eigenen Sexualität und Sinnlichkeit. Dieser neue sinnliche Lebensstil findet in der Sens-Kollektion seinen Ausdruck. Einen sehr viel praktischeren Zweck erfüllen die Early Winter Night Biking Gloves. Irene Posch appliziert auf ihre Biker-Handschuhe LEDs, die beim Abbiegen ein Leuchtsignal abstrahlen. Der Pfeil erscheint, wenn der Arm ausgestreckt wird und die Hand eine Faust formt.

Anne Wiedau beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Zusammenspiel von Augmented Reality und Schmuck. Sie sagt über ihre Arbeit: „Durch die intermediale Verknüpfung von Kinderzeichnungen mit Schmuck, ist es möglich, dem Schmuck Aspekte zurückzugeben, die viele Menschen bei ihrer Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen verloren haben. Unter Zuhilfenahme virtueller Realität füge ich den Schmuckstücken einen neuen Aspekt hinzu, um so die Einzigartigkeit und die Besonderheit jedes einzelnen Schmuckstücks zu verstärken. Durch individuelle Anfertigung jedes Schmuckstücks entstehen Unikate, die ähnlich wie der Mensch einen eigenen Charakter entwickeln, der sich durch die Verknüpfung mit dem computergenerierten Part weiter entfalten kann.“

Das Potenzial von interaktiver, tragbarer Robotik erforschen Caroline Yan Zheng und Adrian Godwin mit ihrer Arbeit „Anemones & wearable companion“. Sie nennen ihre Schmuckstücke animalisch. Durch Soft-Robotics-Technologie reagieren sie auf Berührungen und den Herzschlag mit dynamischen Bewegungen.

Die Ausstellung „Tragbare Technologie“ beginnt am 8. November und ist bis zum 22. November bei Alja & Friends (Kärntner Durchgang 5, 1010 Wien) zu sehen. Im Zuge des Rahmenprogramms gibt es am 8. November einen Vortrag inkl. Podiumsdiskussion mit Sophie Skach, Konstanze Prechtl und Anne Wiedau. Am 10. November wird zu einem Frühstück unter dem Motto „Elektronisch – exquisit“ geladen und ebenfalls am 10. findet von 16 bis 17:30 ein Workshop mit Sophie Skach statt, in dem sie zeigt, wie man einen simplen Stromkreis stickt und einen textilen Sensor selber macht. Anmeldungen unter atelier@aljaandfriends.com

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