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Review: imm cologne im Zeichen des Bauhauses

von Markus Schraml
imm cologne 2019

Die erste große Möbelmesse des Jahres, die imm cologne, zeigte sich einmal mehr als Trendbarometer und Wegweiser für kommende Strömungen. Da Trends sich in dieser Branche nie nur auf ein Jahr beschränken, war Vieles bereits bekannt und nur einige Gewichtungen haben sich verschoben. Der seit vielen Jahren grassierende Purismus wird in dieser Saison noch mehr mit lebendigen Farben und auffälligen Mustern durchbrochen. Das Schlagwort Retro ist mittlerweile ein so durchgängiges Thema, sodass der Begriff Trend zu kurz greift. Egal ob wieder aufgelegte Mid-Century Klassiker – natürlich mit zeitgenössischen Verbesserungen sowie zeitgemäßen Farbstellungen – oder neue Produkte, die ihre Inspirationsquelle, die irgendwo zwischen den 1950er und 70er Jahren entspringt, gar nicht verleugnen wollen oder können, die Formgebung der Vergangenheit feiert fröhliche Urständ.

Die Änderung von Lebensstilen hin zu meist nicht ganz freiwilligem Micro-Living erfordert flexible, modulare und multifunktionale Möbel. Das beginnt beim Bettsofa, zeigt sich bei Sitzmöbeln, die sowohl zum Sitzen als auch als Tisch verwendet werden können und natürlich spielen raffinierte Smart-Home-Lösung gerade auf kleinem Raum ihre Karten geschickt aus. Letzterer Bereich bietet ein ganzes Universum neuer Möglichkeiten der Vernetzung, die, so lange sie Komfort unterstützen und tatsächlichen Mehrwert bringen, durchaus Sinn ergeben. Ist das Ganze mit dem Internet verbunden, stellt sich nach wie vor die Frage nach der Datensicherheit. Denn wenn zum Beispiel die Klimaanlage gehackt wird, kann das ziemlich unangenehm werden. Oder schlimmer – wenn nicht so freundliche Zeitgenossen Zugriff auf das die Haustechnik steuernde Smartphone erhalten …

Der Trend hin zur Raumöffnung zwischen Wohnzimmer und Küche ist mittlerweile wirklich überall angekommen. Die gleichzeitig mit der imm cologne stattfindende LivingKitchen bot Gelegenheit sich anzusehen, was die Küchenhersteller in dieser Beziehung zu bieten haben. Und das war einiges. Vor allem die Wohnlichkeit von Küchen tritt immer mehr in den Vordergrund. Hinter den perfekten Oberflächen verstecken sich außerdem Hightechfunktionen, die das Leben von nicht so ambitionierten Köchen*innen erleichtern.

100 Jahre Bauhaus auch in Köln

Das Bauhaus-Jahr war auch bei der Kölner Messe nicht zu übersehen. So inszenierte Philipp Mainzer den Messestand von e15 ganz nach den modernistischen Werten des Bauhauses. Die deutsche Marke setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit mit David Chipperfield fort und baute den ursprünglichen Tischbock BASIS zu einer ganzen Workstation aus. Natürliche Materialien und klassische Handwerkskunst treffen auf intelligentes, flexibles Kabelmanagement. Einzelne Schreibtische können kombiniert und mit Trennwänden sowie magnetischen und akustischen Funktionen ausgestattet werden. Standesgemäß eröffnete Thonet sein 200-jähriges Jubiläum – mit einem Café. Das Designerduo von Besau Marguerre nahm damit Bezug auf die Erfolgsgeschichte von Thonet, die in den Kaffeehäusern des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Die beiden bedeutendsten Innovationen, die mit dem deutschen Unternehmen assoziiert werden, Bugholz- und Stahlrohrmöbel waren im Café Thonet naturgemäß reichlich zu finden. Dabei erinnerten die Stahlrohrklassiker der Bauhauszeit an Ludwig Mies van der Rohes und Lilly Reichs „Café Samt und Seide“ von 1927. Der allgegenwärtige Retrotrend bringt es mit sich, dass auch wieder aufgelegte Möbel – meist mit zeitgenössischen Verbesserungen – hoch im Kurs stehen. Richard Lampert zeigte in Köln Entwürfe von Herbert Hirche (Bauhaus-Student und danach Mitarbeiter im Büro von Mies van der Rohe), einer wichtigen Figur in der Designgeschichte Deutschlands sowohl als Gestalter als auch als Lehrer und Mitgründer des Deutschen Werkbunds sowie des Rats für Formgebung. 1954 entwarf er das Leiterregal „DHS 10“ und zwanzig Jahre später den Sessel „350“. Beide Möbel wurden seit vielen Jahrzehnten nicht mehr produziert und sind ab sofort Teil der Richard Lampert Kollektion.

Gute Qualität, stolzer Preis

Hochwertige Möbel haben ihren Preis. Wie dieser Preis zustande kommt, ist für die Konsumenten meist nicht durchschaubar. Umso wichtiger sind Bemühungen mancher Unternehmen, die Hintergründe der Produktion und den Aufwand, der notwendig ist, darzustellen und zu vermitteln. So zeigte die spanische Textilmarke GAN von GANDIABLASCO unterschiedliche Handwerkstechniken, die bei der Arbeit an ihren Teppichkollektionen zum Einsatz kommen. Bei der neuesten Kreation von Patricia Urquiola „Mirage“ entsteht durch Handknüpfung ein geometrisches, beinahe dreidimensionales, digitales Muster. Der dynamische Charakter dieses Teppichs lässt sich nur mit sehr viel Aufwand erzielen. Beim Teppich „Lan“ wiederum kombinieren Neri&Hu gleich mehrere Techniken, dabei werden die feinen Details per Hand auf einen Glaoui-Stoff gestickt. Einige sehr komplexe, traditionelle Handwerkstechniken treffen hier auf zeitgenössisches Design. Die Unterschiedlichkeit wird vor allem durch die Farbgestaltung und das Kombinationstalent der Stardesigner überspielt.

Zeitgemäßer Lebensrhythmus

Auch Einrichtungsgegenstände mit Mehrfachfunktionen werden immer beliebter. Heizkörperspezialist Tubes bietet etwa ein neues Produkt, das sowohl wärmt als auch leuchtet. Das Design von „Eve“ haben Ludovica+Roberto Palomba erdacht und damit nicht nur einen Hybrid aus Wärme und Licht geschaffen, sondern auch ein stimmungsvolles Objekt, das in verschiedenen Ausführungen gute Figur auf dem Boden oder Tisch macht. Um Stimmungen ging es auch im „Das Haus“ 2019. Die individuelle Gestaltung der 180 m²-Wohnfläche übernahmen in der aktuellen Messeausgabe Truly Truly. Das in Rotterdam ansässige Designstudio legte in ihrer Zusammenstellung zeitgenössischen Wohnens auf Flexibilität und Inspiration Wert. Deshalb waren die Räume weder in ihre Begrenzung noch in ihrer Funktion ganz festgelegt. Diese Offenheit im Hinblick auf unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten war ein schöner Spiegel für zeitgemäße Lebensentwürfe und Lebensrhythmen.

Mit Virtual Reality in die Natur

In Sachen Möbel- und Einrichtungspräsentationen spielen moderne Technologien eine immer größere Rolle. Computer, Internet sowie AR und vor allem VR werden verwendet, um dem Kunden ein hautnahes Erlebnis zu bieten. Die deutsche Möbelmanufaktur JANUA ging noch einen Schritt weiter und hat einen ganzen 360-Grad-Virtual-Reality-Film produzieren lassen, mit dem die Betrachterin tief in die Markenwelt des Unternehmens eintauchen kann. Im Fokus des virtuellen Erlebnisses stehen die besonderen Oberflächenveredelungsarten – wie das Köhlen oder Räuchern – und das Verwenden von Altholz. JANUA-Gründer und CEO Christian Seisenberger geht damit einmal mehr neue Wege, um seine Leidenschaft für das Naturmaterial Holz auf innovative Art zu vermitteln. Das Video zeigt ein kurzes Making-of der 360°-VR-Experience.


Featured Products and Companies

Atelier Chair von Artek

dua von Kristalia

BASIS von e15

Teppiche von GAN

DHS 10 und 350 von Richard Lampert

Thonet

COR

Echtstahl

Nex Pur Box von Piure

PRADO und STACK von Ligne Roset

Roche Bobois

Pli von FSM

DS-5050 und DS-80 von de Sede

Hoff von Petite Friture, Design: Morten & Jonas

GEPPO und GEPPO PET von Riva 1920

Truly Truly „Das Haus“

“Eve von TUBES

JANUA 360°-VR-Experience.

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