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A Castiglioni – der freundliche Revolutionär

von Markus Schraml
„A Castiglioni“. © Flos

Mit der interaktiven Installation „traparentesi“ feiern Flos und Patricia Urquiola den 100sten Geburtstag von Achille Castiglioni. Diese poetische Installation ist der zentrale Teil der Ausstellung „A Castiglioni“, die im Rahmen der Mailänder Triennale zu sehen ist und die noch bis zum 20. Januar 2019 im Palazzo dell’Arte läuft. Sie versammelt 100 Parentesi-Leuchten des Meisters, die durch die Gegenwart und Bewegungen der Besucher*innen aktiviert werden. Das Ganze wirkt wie ein eigenwilliger Sternenhimmel oder wie ein Nachtozean voller bezaubernder Quallen. Es ist eine Licht-Klang-Installation, die den Entdecker auf eine wundersame Reise schickt, auf der der Ruf einer Eule, das Geräusch eines Schalters oder der Sound eines Tischtennisballs zu hören sind. Manche der Leuchten wurden für die Schau verändert und mit ungewöhnlichen Details ausgestattet oder überraschenden Lichtquellen verbunden.

„A Castiglioni“. © Flos
Ausstellungsansicht „A Castiglioni“. © Flos
A Castiglioni
Achille Castiglioni mit Brera. Foto: © Jean Baptiste Mondino
A. Castiglioni
A. Castiglioni mit Luminator. Foto: © Jean Baptiste Mondino
Achille und Pier Giacomo Gatiglioni
Achille und Pier Giacomo Gatiglioni. Foto: © Luciano Ferri
A. Castiglioni
Tischleuchte Gatto, Design: Achille und Pier Giacomo Castiglioni, 1960. © Flos

Achille Castiglioni stieg nach seinem Studium am Polytechnikum in Mailand (1944) in das Studio seiner beiden Brüder Livio und Pier Giacomo ein und beschäftigte sich mit neuen Formen, Techniken und Materialien. Livio verließ Anfang der 50er Jahre das Büro. So waren es Achille und Pier Giacomo, die ab Mitte der Fünfziger und vor allen in den frühen sechziger Jahren eine Reihe der bedeutendsten Leuchten für Flos entwarfen. Darunter die Tischleuchte Gatto, die Hängeleuchte Taraxacum oder Viscontea (alle 1960). Im Jahr 1962 entstanden Arco, Taccia und die Stehleuchte Toio. Einer der bekanntesten Entwürfe der beiden ist Snoopy (1967). Nach dem frühen Tod Pier Giacomos arbeitete Achille mit ungebrochener Kreativität die 1970er und -80er Jahre weiter. Dabei gelangen ihm wegweisende Entwürfe wie Lampadina, Aoy, Frisbi oder die in der Ausstellung verwendete Parentesi (1971, mit Inspiration von Pio Manzù).

Die Geschichte des italienischen Leuchtenspezialisten Flos ist untrennbar mit der Arbeit der Castiglioni-Brüder verknüpft. Zusammen mit Tobia Scarpa waren sie die wichtigsten Gestalter des Unternehmens seit seiner Gründung in den frühen 1960er Jahren. Eine Kombination aus Intuition und revolutionären Ideen machte ihre Kreationen zu Klassikern und zu Fixsternen in der Designgeschichte. Achille Castiglioni wurde neun Mal mit dem Compasso d’Oro ADI Award ausgezeichnet. Übrigens war er Mitbegründer von ADI im Jahr 1956. Seine Werke sind in den Sammlungen der bekanntesten Museen vertreten: 14 Stück im MoMA in New York, im V&A Museum in London, im Kunstgewerbemuseum Zürich, im Staatlichen Museum für Angewandte Kunst München, im Museo del Design (Prato) oder im Vitra Design Museum.

Die Ausstellung ist in 20 Gruppen aufgeteilt, in denen sich nahezu die gesamte Produktion von Leuchten der Brüder oder von Achille Solo wiederfindet. Viele davon sind heute noch im Flos-Katalog vertreten. Andere Leuchten, wie Teli, Relemme, Diabolo, Blach & White, Sciuko, Padina, Giovi, Noce und Bibip kommen entweder aus den Flos-Archiven oder wurden von der Castiglioni-Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Objekte werden von einer Auswahl an Original-Katalogen, Dokumenten und historischen Fotos begleitet.

Flos CEO Piero Gandini sagt über die Persönlichkeit und Designphilosophie Achille Castiglionis: „Eine Sache, die mir Achille immer wieder vermittelt hat, selbst im fortgeschrittenen Alter, war seine positive Energie. Seine Gestik, seine eigenwillige Art, sich zu bewegen, seine Stimme … Eine Zeit lang glaubte ich, es wäre vor allem sein Sinn für Humor, aber dann erkannte ich, dass da mehr ist. Er wollte die Dinge verändern – jedes Mal. Er hatte eine subversive Haltung zum Design, zur Gesellschaft und den Dingen. Er war ein von Grund auf guter und freundlicher Mann, doch gleichzeitig war er extrem revolutionär. Er war wahrhaft innovativ und so ist für mich, Achilles Erbe, die Innovation eine moralische, fast politische Verpflichtung.“

Archille Castiglioni starb am 6. Dezember 2002.


A Castiglioni
Kuratiert von Patricia Urquiola in Zusammenarbeit mit Federica Sala.
Ausstellungsdesign: Patricia Urquiola
Grafikdesign: Dallas (Francesco Valtolina & Kevin Pedron)
Katalog: Electa
6. Oktober 2018 – 20 Januar 2019
Mailänder Triennale
Viale Alemagna 6
20121 Mailand

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