Home Creation Plastik: Problem und Chance bei der London Design Fair

Plastik: Problem und Chance bei der London Design Fair

von Markus Schraml

Plastikmüll verursacht massive Probleme im ökologischen System der Erde. Gleichzeitig ist Plastik ein extrem innovatives Material, das in einer hochwertigen Form, neue Wege in puncto Anwendungen und Design eröffnet hat. Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich Herausforderungen für Ingenieure, Wissenschaftler und Designer, mit Plastik neu, anders und vor allem umweltfreundlicher umzugehen. Im Rahmen der London Design Fair findet heuer zum zweiten Mal die „Material of the Year“-Ausstellung statt und nimmt sich 2018 dem widersprüchlichen Material Plastik an.

Vier Designstudios wurden ausgewählt, um ihre Lösungsansätze und Projekte beim Festival zu präsentieren. Charlotte Kidger, Dirk Vander Kooij, Weez & Merl und Kodai Iwamoto sehen das Plastikproblem als Chance und verbinden ihre ästhetische Vision mit einem technologischen Know-how, das über herkömmliche Recyclingtechniken hinausgeht. Hier werden Rohre zu Vasen, Taschen zu Tischplatten, Schaumstoff zu Möbeln und CDs zu Regalen.

Die erste Möbelkollektion von Charlotte Kidger verbindet Polyurethan-Hartschaumstaub aus CNC-Fräsen mit hellen Pigmenten und einem Harz, um daraus bunte Formen zu schaffen. Der japanische Designer Kodai Iwamoto stellte sich die Frage: Was passiert, wenn ein alter handwerklicher Prozess auf billiges, massenproduziertes Material trifft? Als Antwort besorgte sich der Gestalter im Baumarkt Kunststoffwasserleitungsrohre und formte sie mittels Luftdruck und Wärme zu Blumenvasen, eine Methode, die an Glas blasen erinnert. Dabei beeinflussen Faktoren wie die Stärke des Luftdrucks oder die Geschwindigkeit der Erwärmung die Form des Objekts. [su_quote]Mein Interesse und mein Bedürfnis mit Plastikabfällen zu arbeiten, sind auf den instinktiven Wunsch zurückzuführen alternative Wege zu finden, um Abfälle zu nutzen. Es sind alternative Rohstoffe, die verwendet werden können, anstatt Ressourcen auszubeuten. Charlotte Kidger[/su_quote]

Ein Spezialist in Sachen Plastikrecycling ist das in Brighton ansässige Studio Weez & Merl. Seit 2015 hat das Studio bereits über eine Tonne Plastik recycelt. Als Ausgangspunkt transferierten sie Handwerkstechniken aus der Holzverarbeitung auf recyceltes Polyethylen und entwickelten im Lauf der Jahre eine Reihe von Methoden und Anlagen, um das Potenzial zu maximieren. Das Unternehmen hat sich die Schlagworte „Zero Waste“ und „Kreislaufwirtschaft“ auf die Fahnen geheftet und ist bestrebt, auch den Recyclingprozess selbst auf lokaler Ebene abzuwickeln. Und auch bei Weez & Merl werden Plastik und Plastikmüll als wertvolles Material gesehen. Der vierte Designer der Ausstellung ist Dirk Vander Kooij. Der Niederländer hat sich seine eigene Extrusionsmaschine gebaut und verwandelt damit alte CDs in eine ganze Reihe von schönen Interieurobjekten. Bereits als Student der Design Academy Eindhoven hat er eine Methode des 3D-Drucks entwickelt, die sich besonders für die Möbelproduktion eignet und die zu seinem Markenzeichen wurde. Dirk Vander Kooij verarbeitet Recyclingmaterial auf eine Art, die bei der Betrachterin einen starken visuellen Eindruck hinterlässt.

[su_note note_color=”#f1f1f2″ radius=”2″]Die Ausstellung „Material for the Year: Plastic, Beyond the Chipper“ wird in der Old Truman Brewery vom 20. bis 23. September zu sehen sein.[/su_note]

Die Londen Design Fair in Shoreditch ist ein 4-Tages-Event mit 550 Ausstellern aus 36 Ländern. Die Palette der Messe reicht von unabhängigen Designern über bekannte Marken bis hin zu internationalen Länderpavillons und -ausstellungen. 2007 ins Leben gerufen, hat sich die Messe den Ruf einer go-to-trade Veranstaltung während des London Design Festivals erworben. Über 28.000 einflussreiche Wiederverkäufer, Produzenten, Architekten, Designer sowie Presse und Design interessiertes Publikum sehen hier die brandaktuellsten Neuheiten aus den Bereichen Möbel, Leuchten, Textilien, Materialien sowie Installationen aus aller Welt.

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