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Shared Mobility – So sieht die Zukunft der Mobilität aus

von Markus Schraml
Mobilize ist eine Marke von Renault, die sich der Shared Mobility widmet. © Renault

Für die Agentur movmi liegt die Zukunft der Mobilität in Shared Mobility. Das kanadische Unternehmen unter der Leitung von Sandra Phillips hat eine ganze Reihe von Carsharing-Projekten in Städten rund um die Welt gelauncht. Doch Carsharing ist nur ein Aspekt von geteilter Mobilität, weiß Phillips. Der Begriff umfasst auch Micromobility (E-Bike, E-Scooter etc.) und Mobility-as-a-Service, also integrierte Mobilitätsnetzwerke, die verschiedenste Angebote kombinieren und für die Nutzer*innen nahtloses Vorankommen gewährleisten sollen. Dabei kommt es auf eine Verbindung der Kompetenzen öffentlicher Verkehrsanbieter und privater Unternehmen an, betont Phillips. Betreiber öffentlicher Verkehrssysteme liefern das Know-how bezüglich möglichst breiter Angebote, während private Firmen die neueste Technologie für ihre Zwecke einsetzen.

Sandra Phillips (movmi) about Shared Mobility, TED Talk

Auf privatwirtschaftlicher Seite sind es vor allem große Automobilhersteller, aber auch Start-ups, die das Feld Shared Mobility teilweise bereits seit Jahren beackern. Dabei sehen einige Autokonzerne ihre Zukunft nicht mehr nur als reine Autobauer, sondern als umfassende Mobilitätsanbieter. So soll etwa Patrick Lecharpy mit der Marke Mobilize (Renault-Gruppe) das „Mobilitäts-Ökosystem“ völlig neu interpretieren. Lecharpy arbeitet mit seinem Design-Team schon einige Zeit daran und hat das Concept Car EZ-1 als Prototypen entwickelt. „Der Auftrag war ebenso eindeutig wie umfangreich“, erinnert sich Lecharpy. „Wir sollten eine Mobilitätslösung finden, die Anforderungen von Nutzern, Städten und Anbietern gleichermaßen perfekt erfüllt.“

Es ging also darum, unterschiedliche, zum Teil sogar gegensätzliche Notwendigkeiten unter einen Hut zu bringen. So beschäftigen sich die Shared-Mobility-Anbieter und Kommunen mit Themen wie Parkraum, Stau oder der Reduzierung der Umweltbelastung. Während fortschrittliche Nutzer*innen vor allem an attraktiven Lösungen für ihre Mobilitätsanforderungen interessiert sind, ohne dass sie dafür in ein eigenes Fahrzeug investieren wollen. Beide Parteien treffen sich in der digitalen Welt – und zwar im Smartphone. Über Apps werden Mobilitätsdienstleistungen schnell und komfortabel abgewickelt. Der Nutzer / die Nutzerin sucht und bucht ein Fahrzeug, erhält Zugang und startet es mit dem Smartphone.

Im ersten Schritt sammelten Lecharpy und sein Team Input von Kommunen und Shared-Mobility-Betreibern. Auch wurden zahlreiche bestehende Lösungen in der Praxis getestet. Schließlich entwickelten die Designer*innen ein Fahrzeug speziell fürs Carsharing. Der EZ-1 Prototype ist ein vernetztes, elektrisch angetriebenes Fahrzeug, das großteils aus recycelten und recycelbaren Materialien besteht. Dahinter steht ein völlig neuartiger Denkansatz, denn es macht einen großen Unterschied, ob ein Auto für den Privatbesitz oder für das Carsharing von Grund auf entwickelt wird.

Patrick Lecharpy ist für Design und Entwicklung des Konzepts EZ-1 Prototype von Mobilize verantwortlich. Foto © Jean-Christophe Mounoury

Carsharing – ein wichtiger Aspekt der Shared Mobility

Andere große Autohersteller betreiben entweder schon seit längerem Carsharing wie BMW und Mercedes-Benz, die zu Share Now fusionierten, oder befinden sich in der Pilotphase, wie Volkswagen mit dem Projekt WeShare, das seit 2019 in Berlin getestet wird. Aufgrund des Erfolges startete der rein elektrische Carsharing-Dienst diesen Februar auch in Hamburg – allerdings mit Verspätung, denn durch die Corona-Pandemie musste der Start um ein Jahr verschoben werden. Nun soll die vollelektrische WeShare-Flotte eine wichtige Rolle im Hamburger Mobilitätsmix spielen. Rund 800 elektrische ID.3 sollen dort in Zukunft unterwegs sein. In Berlin haben sich bereits über 100.000 Kund*innen für WeShare registriert. Rund die Hälfte davon nutzen den Dienst mindestens einmal pro Monat. Für Philipp Reth, CEO von WeShare sind Krisen immer auch Chancen, sagt er bezugnehmend auf die Corona-Pandemie. „Wir haben damals schnell reagiert, das Geschäftsgebiet temporär erweitert, den Stopover-Preis, also den Preis während des Parkens, auf fünf Cent verringert und beispielsweise Gutscheine an das Personal der Charité, der DRK-Kliniken und des Berliner Unfallkrankenhauses verteilt.“ Mitarbeiter*innen der Charité nutzten WeShare dadurch rund 25.000 Mal.

WeShare, das rein elektrische Carsharing von VW gibt es nach Berlin nun auch in Hamburg. © Volkswagen AG

Carsharing für Firmen

Schon seit einigen Jahren bietet die Porsche Bank Carsharing für Firmen und Communities an. Unter der Marke „sharetoo – mobility by Porsche Bank“ ist dieser Service aktuell in Österreich, Rumänien und Serbien verfügbar. Für die perfekte digitale Abwicklung des Carsharings hat der österreichische Finanzdienstleister die Shared-Mobility-Experten von MOQO aus Aachen an Bord. Das deutsche Unternehmen ist international auf Expansionskurs. Aktuell setzen auch Carsharing-Betreiber in Luxemburg, Norwegen und Australien auf MOQO.

sharetoo – mobility by Porsche Bank will das Carsharing-Angebot für Firmen erweitern. © sharetoo / Porsche Bank

Mobilitätswende in Rom

Ein neuer Sharing-Service für Elektrofahrzeuge entsteht derzeit in Rom. Das italienische Start-up On arbeitet dafür mit Siemens Smart Infrastructure zusammen. Die ersten 23 Ladestationen wurden bereits im Zentrum von Rom installiert, die restlichen sollen im Lauf des Jahres folgen. Rom ist dabei, einen Plan für nachhaltige urbane Mobilität umzusetzen. Ein wichtiger Teil darin sind Shared-Mobility-Angebote wie Car- und Bikesharing. „Wir sind überzeugt, dass wir mit unserem neuen Zero-Emission-Mobilitätsprojekt, das wir gerade mit Siemens gestartet haben, einen maßgeblichen Beitrag zu den Zukunftsplänen Roms leisten können“, sagt Alessandro Di Meo, Geschäftsführer von On. „Dieser neue Sharing-Service ermöglicht Bürgern und Touristen ein integriertes Mobilitätsumfeld, in dem sie Elektrofahrräder, -roller und -autos gemeinschaftlich nutzen können.“

Siemens liefert Ladestationen sowie eine cloudbasierte Plattform zum Management der Ladeinfrastruktur für einen neuen Sharing-Service für Elektrofahrzeuge in Rom. © Siemens Smart Infrastructure

Die Siemens-Ladesäulen vom Typ Sicharge AC22 sind mit dem E-Car Operation Center (E-Car OC) verbunden, einer cloudbasierten Software zum Ladeinfrastruktur-Management von Siemens. Über diese Anwendung können sowohl die Ladeinfrastruktur als auch die Ladevorgänge verwaltet werden. Außerdem erlaubt E-Car OC einen Export der Daten in benachbarte Systeme zur weiteren Nutzung wie etwa der Rechnungsstellung. Auf Grundlage dieser Daten zeigt die On-App alle Siemens-Ladepunkte auf einer Karte an. Außerdem werden die Verfügbarkeit und der Betriebsstatus jeweils in Echtzeit angegeben.

Modellstadt Woven City

Beim Thema Shared Mobility geht es um eine Vernetzung von Angeboten, die ein nahtloses von A-nach-B-Kommen gewährleisten. Deshalb sind unterschiedliche Mobilitätsformen auch Teil der neuen Woven City von Toyota, wofür unlängst der Grundstein gelegt wurde. In dieser nachhaltigen Modellstadt der Zukunft trifft persönliche Mobilität auf automatisiertes Fahren sowie Robotik und KI. Im Grunde zielt Woven City darauf ab, kontinuierlich Fortschritte zu schaffen, die zu einer besseren Gesellschaft beitragen – auch dank eines beschleunigten Entwicklungsprozesses.

In diesem Video spricht Toyota-Präsident Akio Toyoda, der bei den diesjährigen World Car Awards mit dem Prädikat „World Car Person of the Year“ ausgezeichnet wurde, über die Vision der Woven City am Fuße des Berges Fuji.


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