Home Creation TOP 19 Lichtkreationen – gesehen in Mailand

TOP 19 Lichtkreationen – gesehen in Mailand

von Caroline Wanderberg
Euroluce 2019

Die Möglichkeiten von LED sind noch lange nicht ausgeschöpft. Designer*innen nutzten die neue Technologie in den letzten Jahren ausgiebig und konnten ihrer Kreativität freien Lauf lassen, ohne auf die Größe des Leuchtmittels Rücksicht nehmen zu müssen. Die generellen Trends in der Möbelbranche sind sicherlich auch auf den Leuchtensektor anwendbar, wie etwa die Wiederveröffentlichung von Mid-Century-Kreationen oder der Einfluss dieser Zeitepoche auf heutige Gestaltungen. Andererseits hat das Dogma der Reduktion beim Leuchtendesign nie so durchgeschlagen wie bei Sitzmöbeln und Kücheneinrichtungen. Das liegt an der branchenüblichen Trennung von funktionellem und dekorativem Licht, wobei im letzteren Fall die ästhetisch-skulpturale Komponente immer schon enorm wichtig war und ist. Eine Leuchte kann eben sehr unterschiedliche Formen annehmen und dennoch ihre grundsätzliche Funktion erfüllen. Bei einem Stuhl oder Sofa sind sehr viele engere Grenzen gesetzt.

Der aktuelle Status quo der Leuchtenbranche war jüngst auf der Euroluce, der internationalen Lichtausstellung, die im Zweijahresrhythmus den Salone del Mobile bereichert, zu sehen. Die Miniaturisierung des Leuchtmittels LED erlaubt minimale Objekte, was vor allem bei Zweckbeleuchtung oder raffinierten Lichtsystemen Anwendung findet. Geht es um dekorative Leuchten beschreiten die Designer*innen ganz andere Wege – wie die formfaktor-Galerie zeigt. So schuf Lucie Koldova für den tschechischen Leuchten- und Glasspezialisten Brokis, die Leuchte Ivy, die exemplarisch den Trend hin zur Natur als Vorbild zeigt. Glastropfen hängen an stilisierten Ästen, eine fast vertraute Silhouette. Oder der 56 Petits Bijoux Kronleuchter von Catellani&Smith, der vom Sonnensystem inspiriert ist und aus 56 LEDs, die von mit Silikonlinsen bestückten Plättchen abgedeckt werden, besteht (zu sehen in der formfaktor-Euroluce-Vorschau). Auch die Stehleuchte Bell de Jour von Ilaria Marelli für Foscarini interpretiert die Natur – auf einem „Pflanzenstängel“ lässt sich der Diffusor wie ein Blütenkelch öffnen. Slamp nennt seine neue kleine batteriebetriebene Tischleuchte gleich Lafleur. Eine weitere Stufe für Designer Marc Sadler in seiner Beschäftigung mit Slamps Technopolymeren. Das Material wird erhitzt, um es mit der Hand zu einem Blumenblatt zu modellieren. Die Basis ist magnetisch. Mit der mitgelieferten Metallscheibe, die unter der Tischplatte montiert wird, kann sie fixiert werden. An der Wand angeschraubt, mutiert Lafleur zur Wandleuchte.

Die Vielfalt der Formen und Ideen ist atemberaubend. Konstantin Grcics Noctambule für Flos dominierte den Design Holding-Messestand, Philippe Stark hat, ebenfalls für Flos, mit La Plus Belle einen Spiegel mit zart-leuchtendem Rahmen entwickelt. Ein dünner Aluminiumrahmen umgibt das Oval und verleiht ihm einen seltsam-magischen Charakter. Die Materialkombination Holz und Licht ist die Spezialität von LZF. Das in Valencia ansässige Unternehmen zeigte eine ganze Reihe von Neuheiten, bei denen zum Teil auch andere Materialien zum Einsatz kommen. Für „Black Note“ hatte Ramón Esteve das Bild einer Tonleiter und die schwarzen Tasten des Klaviers im Kopf. Der Designer schuf mit den Zylindern aus Holzfurnier drei verschiedene „Melodien“. Die Art des Holzes und die Anordnung der schwarzen Noten machen den Reiz dieser Kreation aus. Einen Blick verdient auch die Erweiterung von The Party Wall Lamp von Moooi. Als Hängeleuchte ist The Party von Kranen/Gille noch einmal wundersamer. Blicken die verschiedenen Keramikköpfe von The Mayor, Bert, Glenn, Ted und Coco von oben herab, steigt die Fragwürdigkeit dieser Familienzusammenkunft.

Am Schluss der diesjährigen Möbelmesse in Mailand stand ein ganz besonderer Höhepunkt. Im Rahmen des Abschlussevents im Palazzo Marino wurde ein Special Lifetime Award an Mario Bellini verliehen. Der Mailänder Architekt und Designer gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten Figuren im italienischen Gestaltungsuniversum. Er hat acht Mal den Compasso d‘Oro erhalten und 25 seiner Arbeiten wurden in die permanente Sammlung des MoMA in New York aufgenommen. 2015 erhielt er von der Milan Triennale die Gold Medal für seine Karriere als Architekt. Dieser Auszeichnung folgte 2017 die große retrospektive Ausstellung „Mario Bellini. Italian Beauty – Architettura, Design e altro“ während der Triennale. 2019 wurde diese Schau in Moskau gezeigt. Nun also ehren ihn auch die Organisatoren des für viele weltweit wichtigsten Designevents, des Salone del Mobile.Milano. Allen voran Salone-Präsident Claudio Luti, der Bellini als engen Freund bezeichnet und diese Auszeichnung so kommentiert: „Er gehört in jene Runde von Designern, die Personifizierungen des Konzepts Genie sind, die die geniale Fähigkeit des Kreierens und des Denkens besitzen. Was wir auch als Schlüsselwort für diese Ausgabe des Salone del Mobile gewählt haben. Wir glauben, dass seine Arbeit, die vom Design bis zur Architektur reicht, wahrhaft repräsentativ für unsere Mission ist, aus allen möglichen Blickwinkeln zu forschen und dadurch für die kommenden Generationen ein großartiges Vorbild zu schaffen. Beim Salone 2019 wurden diese Entwürfe von Mario Bellini präsentiert: Tisch BRIC für Riva 1920, Canyon und Grand Canyon-Tische für OAK, Tisch Jabot für Glas Italia, Nuvola Minor für Nemo Lighting, Flying Bridge-Tisch für Bottega Ghianda und eine Re-Edition der ikonischen Leuchte Chiara, die er ursprünglich 1969 für Flos gestaltet hatte. Außerdem erinnerte Cassina mit „CAB World by Mario Bellini“ an diese Kollektion von Sitzmöbel mit Sattelleder aus dem Jahr 1977, die nach wie vor zu Cassinas Bestsellern zählt.


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