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Interview-Highlights 2025 auf FORMFAKTOR

von redaktion
Oben (links nach rechts): Giovanni Ricco, Paul Barbera, Fabian Gruber, Martin Steiger, unten (links nach rechts): Alanna Hale, Italian Radical Design, Google, Novembre Studio

Die FORMFAKTOR TOP-Interviews 2025 bündeln jene Gespräche, in denen sich die wesentlichen Impulse und Denkbewegungen der aktuellen Designszene besonders klar zeigen. Ob der emotional expressive Ansatz von Fabio Novembre, die markenstrategische Schärfe von Charley Vezza, die zukunftsorientierten Visionen von Yves Béhar oder die spielerische Poesie von Jaime Hayon – gemeinsam zeichnen diese Stimmen ein präzises Bild eines Designjahres, das von Wandel, Experimentierfreude und wachsender gesellschaftlicher Verantwortung geprägt war.

Wenn es um Ikonen im Möbeldesign geht, muss man weit ins 20. Jahrhundert zurückblicken. In den jüngsten Dekaden sind wenige Entwürfe entstanden, die bereits heute als Ikonen gelten dürfen. Eine große Ausnahme ist der Sessel „Nemo“, den Fabio Novembre gestaltet hat und der 2010 von Driade herausgebracht wurde. In Novembres Schaffen spielen Ideen, die Geschichten erzählen, die Hauptrollen – sowohl im kleinen als auch im großen. FORMFAKTOR traf den Architekten und Designer auf dem Salone del Mobile 2025 und diskutierte mit ihm unter anderem über die Beziehung zwischen Unternehmer und Designer, die Veränderungen in den kreativen Berufen und das Thema Glück.

Yves Béhar gehört ohne Zweifel zu den weltweit einflussreichsten Designern. In der Schweiz aufgewachsen gründete er das Studio fuseproject 1999 in San Francisco. Im Lauf seiner Karriere rief er zahlreiche Unternehmen ins Leben und hat Produkte für Marken wie Samsung, Herman Miller und L’Oréal entwickelt. Für eines seiner jüngsten Projekte kooperierte Béhar mit dem Badspezialisten LAUFEN. Ausgangspunkt war der am Standort im österreichischen Gmunden entwickelte, weltweit erste elektrische Tunnelofen für Keramikprodukte. Im FORMFAKTOR-Interview sprach Béhar über den neuen Waschtisch für LAUFEN, über Punk-Attitüden, das Verhältnis von analog und digital sowie sein Faible, Musik per Vinyl-Schallplatten zu hören.

Ende der 1960er-Jahre griff die Bewegung des Radical Design die Dominanz des „guten Geschmacks“ an. Sie dachten quer und entwickelten eine Gegenkultur, die mit den Dogmen der Moderne brach, was schließlich in den frühen 80er-Jahren zur Postmoderne führte und zu Strömungen wie Memphis. Tatsächlich wurde diese Gruppe unter der Federführung von Ettore Sottsass 1981 gegründet, um ebenfalls radikale Designvorstellungen umzusetzen. Es war also nur folgerichtig, dass Charley Vezza (seit 2012 Eigentümer von Gufram) als er Anfang 2022 Memphis Milano übernahm sein Unternehmen Italian Radical Design nannte. Im FORMFAKTOR-Interview erläuterte Vezza den Begriff der Radikalität heute, das Weitertragen des Erbes und das Potenzial für neue Märkte.

Die visuelle Sprache von Jaime Hayon wird von organischen Formen bestimmt, die seinen Objekten eine enorm positive Ausstrahlung verleihen. In der Vorstellungswelt des spanischen Designers und Künstlers sind viele Dinge miteinander verbunden. So beeinflussen seine Erfahrungen in der Bildhauerei die Gestaltung seiner Möbel. Hayon ist fasziniert von Formen – egal ob sie eine Funktion besitzen oder völlig frei sind. FORMFAKTOR traf Jaime Hayon in Mailand in der Fuorisalone-Ausstellung von Wittmann, wo der Spanier über die Welt als Code, das Verhältnis von Kunst und Design sowie sein Faible für Tierdarstellungen Auskunft gab.

Neue Herangehensweisen, Austausch innerhalb der österreichischen Designcommunity und der mutige Versuch in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit Erfolg zu haben – das sind für Kerstin Pfleger und Peter Paulhart wichtige Eigenschaften, die es braucht, um heute ein unabhängiges Designstudio zu führen oder überhaupt damit zu beginnen. Die Gründung des gemeinsamen studio re.d im Jahr 2022 sollte unter anderem gewährleisten, dass die spannendsten Designaufgaben in den eigenen Händen liegen. Im FORMFAKTOR-Interview (geführt in Wien) sprachen Pfleger und Paulhart über regionale Logik, ihren funktional reduzierten Designansatz und die Notwendigkeit, selbst aktiv zu werden.

Ivy Ross ist Chief Design Officer für Consumer Devices (Endverbrauchergeräte) bei Google. FORMFAKTOR traf sie in Mailand, wo das Unternehmen im Rahmen der Milan Design Week mit der Ausstellung „Making the Invisible Visible“ vertreten war. Ross und ihr Team erlaubten dabei nicht nur einen kurzen Blick hinter die Kulissen, sondern lieferten fundierte Informationen über ihre Tätigkeit. Im Interview erzählte Ross von ihrer Faszination für Licht, erläuterte die Kombination von Analogem und Digitalem sowie den Einfluss von Ästhetik auf unser Gehirn.

An die Zeit des Space Age Furniture knüpft der US-amerikanische Designer Ryan Twardzik an. Mit seinem Studio unform, ein Name, der erahnen lässt, dass es hier nicht um Konventionelles geht, sondern um das Eintauchen ins Reich des Experimentellen, hat er bereits Möbel wie den viel gelobten Pop-up Lounge Chair oder die wundervolle Drip-Kollektion entworfen. Beim SaloneSatellite 2025 zeigte der in Pennsylvania beheimatete Gestalter zwei neue Designs: die Orbit-Sitzkollektion und die Axis-Lampenserie. Leuchten sind ein völlig neues Feld für Twardzik, das er aber auf Anhieb mit faszinierendem Esprit bespielt. Im FORMFAKTOR-Interview sprach er über sein Faible für das Space Age, über die Situation für junge Designer in den USA und den Spaß an der Interaktion mit Dingen.

Die österreichische Galerie Zippenfenig startete im März 2024 mit einer Ausstellung zu Klemens Schillingers Tisch M24. Insgesamt konnte ein Jahr später die beachtliche Anzahl von sechs Ausstellungen verbucht werden. FORMFAKTOR traf Galeriegründer Markus Zippenfenig und Kurator Thomas Waidhofer zum Gespräch, in dem die beiden über Collectible Design, die Präsentation von österreichischem Design im Ausland und den Mangel an Designgalerien im deutschsprachigen Raum sprachen.


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